Lord of War

Zu wieviel Gewalt und Grausamkeit Menschen in der Lage sind kann man sich fast nicht vorstellen und man kann es in unserer paradisisch zivilisierten Umgebung nur zu leicht verdrängen, wenn man den Nachrichten nicht zu viel Aufmerksamkeit schenkt und gewisse Kinofilme meidet.

Ein solcher Film ist Lord of War, in dem Nicolas Cage einen Waffenhändler spielt, der ohne eigene Ideologie jeden beliefert, der zahlt. Dabei werden einige der deprimierendsten Kriegs- und Bürgerkriegsschauplätze dieser Erde beleuchtet. Gleichzeitig gelingt eine sehr überzeugende Darstellung der Psyche des Waffenhändlers, seine Motivationen und Rechtfertigungen.

Der Film ist unheimlich zynisch aber auch realistisch und deswegen etwas deprimierend. Wenn ein Film soviel auslöst muss er gut sein. (7,5/10)

Aeon Flux

Gestern habe ich Charlize Theron als Aeon Flux in einem MTV-SciFi-Thriller bewundert. Es geht um rebellische Untergrundkämpfer in einer utopischen Stadt, aber dass nur am Rande. In der ersten Hälfte lebt der Film vor allem von dem hautengen Gummioutfit der Hauptdarstellerin und ihrem Körperbetonten Spiel in selbigem. In der zweiten Hälfte kommen dann noch ein par richtig coole Szenen dazu und eine gelungene Story, die sich zwar bei anderen großen Kinofilmen bedient, aber diese Element erfolgreich neu kombiniert. Ein kurzweiliger Kinoabend! (6,5/10)

Die wahre Disziplin

Die Olympischen Spiele sind dafür gedacht, dass sich junge sportliche Menschen aus aller Welt begegnen und besser kennenlernen. Dabei sein ist alles!

LANGWEILIG! In Wirklichkeit geht es darum Medallien zu gewinnen. Und zwar viele. Und zwar vor allem goldene. Denn die ultimative Disziplin bei Olympia ist der Medallienspiegel. Hier gilt es den Amis, Chinesen und Russen zu beweisen, dass Größe nicht alles ist, den Ösis zu zeigen, dass Größe alles ist und überhaupt um den Beweis, dass WIR die größten, schönsten und besten sind und haben.

Und im Medallienspiegel zählen nunmal nur die Goldmedallien. Wo stünde man denn im mit sagen wir mal 100 Silbermedallien? Aktuell auf Platz 17!

Ich verstehe deshalb nicht warum unsere staatlichen Jubelmedien die Silber- und Bronzemedallienverlierer so scheinheilig beglückwünschen. Anstatt leicht pikiert im Interview zu fragen, ob man sich denn nicht noch ein kleines bisschen mehr hätte anstrengen können. Schließlich geht es um Deutschland und die Weltherrschaft über die Winterspiele!

Zweierbob

Kürzlich habe ich über olympische Randsportarten wie Curling berichtet. Heute geht es um eine zu unrecht völlig unumstrittene Wintersportart, den Zweierbob. Das gleiche gilt sinngemäß auch für den Viererbob, aber der ist erst nächste Woche dran.

Gestern habe ich also Zweierbob geguckt. Es gab Gold für Deutschland und ich war begeistert. Allerdings muss ich bei genauerer Betrachtung zugeben, dass mir nicht ganz klar ist, warum eigentlich. Zum zugucken ist diese Sportart nämlich höchst ungeeignet. Man muss schon ein ausgesprochener Experte sein, um zu erkennen, dass der Bob aus Russland in Kurve 14 etwa 20 cm zu tief war und dabei die 5 Millisekunden verspielt hat, die für eine bessere Plazierung notwendig gewesen wären. Alle zehn Schlitten tut uns einer den Gefallen und lenkt so dämlich in die Bande, dass man das sogar als Gelegenheitsgucker mitkriegt. In Wirklichkeit ist das einzige, was beim Zweierbob für Spannung sorgt die Zeit, die unten mittläuft. Alle par Sekunden gibt es eine neue Zwischenzeit, die erkennen läßt, ob der aktuelle Schlitten schnell oder langsam unterwegs ist.

Die Fernsehübertragung der eigentlichen Fahrt könnte man sich tatsächlich schenken. Es würde reichen, als Vollbild die Zeit und die Landesfarben des aktuellen Bobs einzublenden, mit allen Zwischenzeiten. Das wäre genauso spannend und ironischerweise genauso spektakulär und die ganzen Kameramänner müssten nicht im Schee stehen und frieren. Wenn man sich aber das Filmen schenken kann, muss man darüber nachdenken, ob es denn überhaupt nötig ist, zu fahren. Ist ja nicht ganz ungefährlich, so schnell durch einen Eiskanal zu rasen.

Vieleicht könnte ja ein Zufallsgenerator die Zeiten liefern. Dann könnte man auch den Kommentator und die Presenter und Experten sparen und stattdessen Musik spielen. Ich glaube, dass würde völlig reichen: Dramatische Musik, laufende Zeiten mit mikrosekundengenauen Zwischenzeiten, neben animierten Flaggen, und am Ende Gold für Deutschland! Ich bin mir ziemlich sicher, ich würde einschalten!

Randsportarten im Test

Letzte Woche hat mich eine schwere Infektion der Atemwege ausser Gefecht gesetzt und ich habe viel Zeit im Bett verbringen müssen.

Das Timing war allerdings nicht schlecht, denn zu meiner Unterhaltung war ich nicht auf das Gehirnamputierten-Fernsehen angewiesen, dass inzwischen aus der guten alten Talkshow hervorgegangen ist, sondern konnte mich an den Olympischen Winterspielen delektieren. Leider gibt es nicht den ganzen Tag packende Enscheidungen in spektakulären Sportarten, sondern es geht auch für Vorrunden in Randsportarten einige Sendezeit drauf. Deshalb werde ich jetzt zwei dieser Randsportarten dem geneigten Leser näher bringen: Curling und Bordercross.

Curling

Dieser Sport stammt aus Schottland, also von den britischen Inseln, deswegen wird es niemanden überraschen, dass er mit wenigen, intuitiv zu erfassenden Regeln auskommt. Ziel ist es, die aus speziellem schottischem Granit gefertigten Curling-Steine (‚Stones‘), möglichst in die Mitte einer auf’s Eis gemalten Zielscheibe (‚Home‘) zu schubsen. Eine Mannschaft besteht aus vier Personen, und nachdem der Schubser den Stein losgelassen hat, haben die übrigen drei Mannschaftskammeraden die Möglichkeit, die Bahn und Geschwindigkeit des Steins durch lautes Schreien und heftiges Eisschrubben noch zu beeinflussen. Das ist schwer zu Beschreiben, das muss man gesehen haben! Zwei Mannschaften spielen gegeneinander, und die Mannschaft, die am Ende jeweils einer von 10 Runden (‚Ends‘) näher an der Mitte des Homes liegt kriegt Punke. Einen für jeden Stein, der besser liegt, als der beste Stein der Gegner. Wenn eine Mannschaft punktet, hat die andere im nächsten End ‚Das Recht des letzten Steins‘, und ist damit im Vorteil.
Das Spiel hat eine imense taktische Tiefe und selbst nach einigen Stunden zuschauen, gelingt es mir noch nicht, Spielzüge, oder gar den Spielverlauf vorherzusagen. Es gibt ab und zu wirklich sehenswerte Kunstschüsse und wer mal erleben will, wie hübsche Frauen wie verrückt einen Besen schwingen und dabei laute, begeisterte Schreie ausstoßen, dem kann ich Damencurling empfehlen. Aber unter’m Strich ist mein Tip: Curling wird Randsportart bleiben.

Bordercross

Bordercross ist das exakte Gegenteil von Curling. Es gibt eine Funpark- oder Motocross-ähnliche Hindernisstrecke, die von vier Snowbordern gleichzeitig in Angriff genommen wird. Wer zuerst im Ziel ist, gewinnt. Das ist eigentlich schon alles. Für sehr offensichtliche, krasse Fouls kann man zwar disqualifiziert werden, aber trotzdem kommt es zu spektakulären Überholmanövern, Kollisionen und Stürzen. Spaß pur. Und wenn dann im Finale die Kandidatin aus USA mit 100m Vorsprung übermütig wird und am vorletzten Sprung Kunstückchen vorführt und sich dabei ohne Not auf den Arsch setzt und doch noch überholt wird, ist das Schadenfreude pur! Mitleid? Das ist ein Wettbewerb für SNOWBORDER!
Bordercross ist einfach nur spektakulär und stiehlt den konventionellen alpinen Disziplinen ganz klar die Show. Bitte mehr davon!

GEZ

Ich wurde grade von Spiegel-Online daran erinnert, dass es eine Änderung der GEZ-Gebührenordnung gibt und zukünftig auch Internetfähige PCs gebührenpflichtig sind. Das gilt natürlich Sinngemäß auch für viele PDAs und immer mehr Mobiltelefone.

Wohin das Ganze führt ist so offensichtlich, dass ich im Sinne der Steuer- und Gebührenzahler folgende Vereinfachung vorschlage: Die GEZ Gebühr wird fällig, wenn man gesunde Augen und Ohren hat, entfällt also nur noch für diejenigen, die blind UND taub sind. Nur blind oder nur taub führt zu reduzierten Beiträgen. Alle anderen sind dran.

Dann gibt es keinen Grund mehr für stasi-mäßige Bespitzelung, Droh-Briefe und Anrufe. Man könnte die Gebühr fast direkt mit der Steuer einziehen, aber dann entkommen zuviele vom nichtsnutzigen Studentenpack!

Der Drache

Heute war ich in einer Radiologischen Praxis zum Röntgen. Ausser Röntgen gabs da noch alle Sorten Ultraschall und sogar CT- und MRT-Untersuchungen.

Die Nachfrage nach diesen Untersuchungen übersteigt das Angebot bei weitem. Ein Termin ist also etwas sehr kostbares, ein Schatz sozusagen. Und wenn man die Langen dunklen Gänge in dem alten Gebäude betrachtet, so muss man unwillkürlich an eine Höhle denken.

…Schatz? …Höhle? …Da muss doch auch irgendwo ein Drache sein!

Der ist auch nicht zu übersehen und sitzt direkt am Emfang. Wer an den Schatz will muss an ihm vorbei. Er ist mitte 50, weiblich, blondiert, dauergewellt und bereits fünf Minuten nach Öffnung der Praxis schlecht gelaunt.

Du bist von ihm abhängig und er weiss es. Der Kandidat vor mir war unsensibel. Er hatte Extrawünsche. Der Drache hat ihn verschlungen, mit Haut und Haaren und dann die Knochen wieder ausgespuckt.

Kann man diesen nörgligen Tonfall irgendwo lernen? Diese Abgrundtiefe Empörung angesichts dieser unflätigen Anmaßung? Oder ist das angeboren?

Ich lerne schnell. In aller Demut flüsterte ich mein Begehr. Ich wurde nur ein wenig angeschnaubt. Meine Augenbrauen sind etwas versengt, aber meine Knochen wurden geröngt! Dann konnte ich die muffige Grotte, hoffentlich für immer, verlassen.

Die Geisha & The Dark

Wo ich mal dabei bin, poste ich grade mal zu den anderen Filmen der letzten Woche:

Die Geisha ist ein Kostüm Liebesfilm aus dem Alten Japan. ‚Bildgewaltig‘ ist so ein Wort, das richtige Filmkritiker in diesem Zusammenhang gerne benutzen. Die Kulissen sind exotisch genug um keine Langeweile aufkommen zu lassen, aber die Story ist relativ dünn. Am Ende kriegen sie sich. Ein typischer ‚kann‘ Film. (6/10)

The Dark wird als Horrorfilm verkauft, aber die altersfreigabe ab 16 zeigt schon, dass es eher um durchschnittliche Kost handelt. Der Film spielt in sehr schöner Wallisischer Landschaft und die Schauspieler machen ihre Sache recht ordentlich. Gruselige Stimmung kommt aber nur über einige kurze Passagen auf, denn der Film missbraucht zu oft den alten Trick, den Zuschauer durch schnelle Schnitte mit lauten Geräuschen zu erschrecken. Und gegen Ende verknotet sich der Plot zu einem unentwirrbaren mythologischem Chaos, dem selbst ein Hardcore-Akte-X-gucker wie ich nicht mehr richtig folgen konnte. (4/10)