Molly

Mollys Schultag hatte mit dem üblichen Stress begonnen, dem Streit mit ihrer Mutter, um was sie anzuziehen hatte, was und wieviel sie Frühstücken sollte und ob sie denn nichts vergessen hätte. Sie war doch kein Baby mehr! Vorläufiger Höhepunkt der Demütigungen war das peinliche Verabschiedungsritual an der Bushaltestelle, bei dem sie sich vergeblich dagegen sträubte, vor den Augen ihrer aus dem Bus grinsenden Mitschüler abgeküsst zu werden.
Molly war eigentlich ein recht hübsches Mädchen, aber sie sah das natürlich ganz anders. Wenn es mal vorkam, dass sie lächelte, so tat sie das vor allem mit den Augen, denn nicht haßte mehr als ihre Zahnspange. Ihre langen blonden Haare trug sie entweder in zwei Zöpfen oder offen mit einem Haarreif, wenn sie sich gegen ihre Mutter durchsetzen konnte.
In der Pause hatte sie Greg dabei zugesehen, wie er mit ein paar anderen Jungs Ball spielte. Sie war natürlich Luft für ihn, weil sie eine Klasse unter ihm war und er sehr darauf achtete, klar zu machen, dass er sich überhaupt nicht für Mädchen interessierte. Eigentlich hätte sie auf die Toilette gemusst, aber sie konnte sich einfach nicht losreißen.
Nun saß sie in Geographie und versuchte verzweifelt dem Unterricht zu folgen, während mehr und mehr ihrer Aufmerksamkeit von dem Drücken ihrer Blase in Anspruch genommen wurde. Schließlich gab sie auf, seufzte unhörber meldete sich und bat die Lehrerin darum, austreten zu dürfen.
Das unvermeidliche leise Gekicher über sich ergehen lassend, verschwand sie auf den Gang und eilte zur Mädchentoilette. Vor den Kabinen zögerte sie kurz. Ihre Nackenhaare stellten sich auf, aber die volle Blase setzte sich durch. Sie setzte sich und beeilte sich, aber es kam ihr vor als müßte sie eine ganze Milchtüte durch eine winzige Öffnung entleeren. Unterdessen wurde ihr unbehagliches Gefühl immer stärker. Sie höhrte ihren Herzschlag viel zu schnell zwischen den Ohren. Ihr war kalt und heiß zugleich, auf den Armen hatte sie Gänsehaut. Plötzlich wusste sie es: Es war da, unter ihr. Aufgestiegen aus den unergründlichen Tiefen der Kanalisation. Noch bevor der letzte Tropfen gefallen war, sprang sie hastig auf, zog ihre Hosen hoch, eilte aus der Kabine und hinterließ so etwas wie ein Gefühl, dass man auf einer viel höheren Stufe der Evolution als Enttäuschung bezeichnen würde.
Ohne sich die Hände zu waschen rannte sie auf den Gang und zwang sich erst dort zum eiligen Gehen. Auf halbem Weg kam ihr Cybill entgegen. Molly haßte Cybill. Cybill ging in Gregs Klasse und ließ keine Gelegenheit aus, Molly wegen ihrer Zahnspange zu hänseln. Mangels Publikum beließ sie es für diese Begegnung bei einem giftigen Blick, den Molly so gut sie konnte erwiederte. Als sich die Klassentür hinter ihr schloß, hatte sie ihr komisches Gefühl von eben schon fast wieder vergessen. Und nun betrat Cybill die Mädchentoilette.

Der letzte Fall des Inspector Brown

Inspector Brown saß auf dem Klo und dachte nach. Auf dem Klo konnte er am besten nachdenken. Und das Scheißhaus vom 42. Department hatte genau die richtige Atmosphäre dafür. Ispector Brown saß also auf dem Topf im 42. Department und dachte über die mysteriösen Todesfälle nach, an deren Aufklärung er arbeitete. Den Zusammenhang mit vor einigen Tagen verendeten Ratten konnte er natürlich nicht herstellen. Das war nur als Randnotiz in einem der unzähligen schmierigen Lokalblättchen erwähnt worden und selbst wenn Ispector Brown das gelesen hätte, hätte er den Zusammenhang nicht erkannt. Inspector Brown hatte nämlich keine Fantasie. Er war ein guter Cop, keine Frage. Trotzdem, oder vielleicht sogar gerade deswegen. In neun von zehn Fällen liegt der Fall nämlich genau so, wie er aussieht. Fremdgehende Ehemänner werden von ihren eifersüchtigen Frauen ermordet, Dealer von Konkurrenten oder Kunden, Prostituierte von ihren Freiern. In solchen Fällen kam es nur darauf an mit Geduld und Verbissenheit die Beweise zu finden. Und es gab immer Beweise. Für solche Fälle war Inspector Brown genau der Richtige. Aber dieser Fall war anders.

Der erste war ein alleinstehender Rentner. Als die Putzfrau am Montag morgen seine stinkende Leiche im Badezimmer fand, hätte sich niemand etwas besonders dabei denken müssen und es war Zufall, das der junge unerfahrene Arzt es ganz genau nahm mit der Ausstellung des Totenscheins. Die Autopsie ergab, dass der alte Sack an schweren inneren Blutungen gestorben war. Etwas hatte seinen Darm und andere innere Organe völlig zerfressen. Gift? Eine Krankheit? Ein Parasit? Die Quacksalber konnten es noch nicht sagen. Inzwischen waren noch mindestens vier weitere Fälle hinzugekommen. Eine Kellnerin lag in ihrer Badewanne. Einen Geschäftsreisenden hatte es in seiner Absteige erwischt. Ein Penner wurde tot in der Bahnhofstoilette gefunden und, besonders tragisch, ein kleines Mädchen auf der Toilette ihrer Schule. Es schien nur zwei Gemeinsamkeiten zwischen allen Fällen zu geben: Immer starben die Opfer im Badezimmer und immer passierte es im Zuständigkeitsbereich des 42. Departments.

Während Inspector Brown also saß und grübelte, war der Lösung des Falles näher als er ahnte. Oder sollten wir sagen, dass die Lösung ihm näher war, als er ahnte.

Es war länglich, fahl weiß und sehr beweglich. Es folgte seinem Instinkt und arbeitete sich nach oben. Lautlos schlängelte es sich durch den Siphon. Dann tauchte es unter Inspector Brown auf, der gerade genüsslich furzte. Hätte es ein Gesicht gehabt, hätte es zufrieden gelächelt, bevor es sich zusammen krümmte und mit aller Kraft sprang.

Inspector Brown wollte schreien, als er spürte, wie etwas kaltes, glitschiges von unten in ihn eindrang. Aber der entsetzliche Schmerz und das schnell wirkende Nervengift des Eindringlings hinderten ihn daran. Er schaffte es nicht mal mehr, von der Toilette aufzustehen. So musste es sich nur erschöpft ins Wasser zurückfallen lassen, nachdem es sich satt gefressen und seine Eier abgelegt hatte. Inspector Brown würde diesen Fall nicht mehr aufklären. Aber er würde einer neuen Generation von Arschkriechern als erste Mahlzeit dienen. Inspector Brown war ein guter Cop.

Gemein

In dieser schnellebigen Welt gibt es immer weniger, worauf man sich wirklich verlassen kann. Aber eins ist seit Jahrzehnten immer gleich geblieben: Zu Feiertagen und zur Reisezeit steigen die Benzinpreise.

Und ebenfalls mit zunehmender regelmäßigkeit versuchen unsere lieben Politiker das auszunutzen, um billige Populismuspunkte zu sammeln. Auf Knopfdruck werden gewaltige Krokodilstränen vergossen und die geheuchelte Betroffenheit läßt sämtliche Talkshow- moderatorInnen vor Neid blass werden. Das ist aber auch sooooooo gemein. Als ob es nicht schon unmoralisch genug wäre, mit dem Verkauf von Benzin Geld zu verdienen. Aber, ausgerechnet dann die Preise zu erhöhen, wenn viele Leute unterwegs sind und tanken müssen ist in aller höchstem Maße diabolisch, ja fast schon satanisch. Anständige Ölkonzerne würden zu Weihnachten und Ostern das Benzin verschenken! Aber wir leben in einer bösen, kalten, habgierigen Welt und keiner hat uns lieb. Abgesehen von den Politikern, die uns wenigstens mit guten Ratschlägen weiterhelfen. Der Bundes- verkehrsminister rät: Such dir halt ’ne billige Tanke!

Ich werde Ostern übrigens auch verreisen. Mit der Bahn 😀

Bis auf Weiteres: Schöne Feiertage!

Igitt

Ich habe am Wochenende eine etwas gründlichere Reinigung meiner Wohnung vorgenommen. Insbesondere habe ich die Staubflusen an meinem Badezimmerlüfter entfernt. Dabei habe ich bemerkt, dass der Deckel beweglich ist und sich relativ leicht entfernen läßt. Was darunter zum Vorschein kommt, seht ihr hier:

In einer perfekten Welt wäre so ein Lüfter wartungsfrei und selbstreinigend. In dieser bösen Welt ist da ein Staubfilter drin, der regelmäßig ausgetauscht, oder wenigstens gereinigt werden sollte. Mir hat das keiner gesagt. Also, falls ihr auch so einen Badezimmerlüfter in eurer Wohnung habt: Macht bloß nicht den Deckel ab!!!

Fröhlichen Montag!

Dilemma

Die heutige Freitagsdiskussion im Heise Ticker dreht sich um den Einwand eines ‚Sicherheitsexperten‘, dass Google Earth von Terroristen mißbraucht werden könnte. Z. B. um sich die Koordinaten eines Fußballstadions zu besorgen, das man dann mit einem Marschflugkörper oder einer Scud-Rakete zur WM in die Luft jagen könnte.

Natürlich ist das völliger Bullshit auf mehreren Ebenen, weil:

  1. Der Terrorist ca. 1000 andere, unwesentlich aufwendigere, Möglichkeiten hätte sich die Koordinaten zu besorgen.
  2. Der Terrorist seine kostbare Lenkwaffe sicher nicht an ein albernes Fußballspiel verschwenden würde.
  3. Der Terrorist ein banales Fußballspiel mit weit weniger Aufwand terrorisieren könnte und würde.

Jedenfalls hat mich die Sache trotzdem zum Nachdenken gebracht, und ich muss zugeben, dass Google-Earth einem Terroristen das Leben zumindestens angenehmer macht. Alleine die Vorfreude, wenn er mit seinem riesigen Turban am Rechner sitzt, mit der Maus über die dekadenten Städte der Ungläubigen fliegt, leise arabische Flüche in seinen buschigen Bart murmelt und ab und zu Explosionsgeräusche macht…

Ich fürchte, dass fast alles, was mir das Leben angenehmer oder einfacher macht, auch das Leben des Terroristen einfacher und angenehmer macht. Handys, Internet, elektronischer Zahlungsverkehr… Oh, und Autos! Wieviele Menschen durch Autobomben verletzt oder getötet wurden, weil irgendwelche Nerds, die Angst vor Pferden hatten, damals das Auto erfunden haben! Ich habe so ein Gefühl, dass Kutschenbomben nicht so der Bringer geworden wären…

Das ist ein weiteres Argument dafür, dass alles Neue prinzipiell und von vorneherein als gefährlich anzusehen ist! Die Menschen sollten endlich aufhören, neue Sachen zu entwickeln!!!

In diesem Sinne: Fröhliches Wochenende!

Das erste Mal

Diese Woche hatte ich einen Platten Hinterreifen an meinem Fahrrad. Dankenswerterweise ließ sich die Ursache leicht feststellen: Eine fiese kleine Glasscherbe hatte sich ins Profil geklemmt und mit viel Geduld durch die zweifache Pannenschutzschicht meines Schwalbe Marathon Mantels bis in den Schlauch hindurchgearbeitet.

Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich eine Reifenpanne hatte, weil ich durch Glasscherben gefahren bin. Bisher hatte ich Glas als Ursache für platte Reifen als Urbanen Mythos betrachtet und nur müde gelächelt, wenn andere Radfahrer lebensgefährliche Ausweichmanöver starteten oder fast vom Rad sprangen, weil irgendwo eine zerbrochene Bierflasche herumlag. Ich dachte, jedwede Form von Glasscherben müsste an gut aufgepumpter, moderner Hightechberreifung abprallen, wie Wasser von den Blättern der Lotusblume. Tja, wieder eine Illusion weniger.

Ich werde trotzdem weiterhin durch Glasbruch fahren, aber jetzt nicht mehr aus Gottvertrauen, sondern aus Trotz!

Poetry Slam

Besuchern biete ich Unterhaltung pur,
Auf Wunsch auch gerne mal Kultur.
Am Freitag abend war’s soweit,
In der Scheune, Poetry Zeit!
Zehn junge Dichter traten dort an,
Gegeneinander, zum Poetry-Slam.
Viele war’n gut und manche genial
Nur wenige Nummern war’n etwas banal.
Frühstück von hinten, Klobrillen, Pampf,
Was für ein unbeschreiblicher Kampf!
Xochil aus Hamburg gewann schließlich den Fight,
Denn sie trug ein entzückendes Kleid.
Der Abend hat riesigen Spaß gemacht,
Vielleicht komm ich mal wieder zur Poetry-Nacht…