Belagerungszustand

Der Tag hatte so friedlich angefangen. Klar und sonnig. Doch die Ruhe trog. Seit Einbruch der Dunkelheit sind sie überall. Banden marodierender Jugendlicher kontrollieren die Straßen. Vermummt sind sie und machen Lärm. Sie ziehen von Tür zu Tür, und nach räuberischer Erpressung steht ihnen der Sinn.

Sollen sie doch kommen! Diese widerlichen Dreckbraatzen sollen es bloß wagen an meiner Tür zu klingeln! ICH BIN AUF EUCH VORBEREITET, MUAHAHAHAHAHA!

*hüstel*, Ähm. Happy Halloween allerseits, wenns denn unbedingt sein muss.

Verdienen sie, was sie bekommen und bekommen sie was sie verdienen?

Die große spannende Frage der sozialen Gerechtigkeit ist: Wieviel Gehalt verdient es irgendjemand zu verdienen?

Denn die soziale Gerechtigkeit gilt als erreicht, wenn jeder genau das bekommt was er verdient. Das ist klar. Was das ist, ist nicht so klar. Es darf auf keinen Fall zu wenig sein um ein angenehmes Leben zu führen. Es sollte aber auch nicht zu viel sein, um bescheiden zu bleiben. Lokführer bekommen möglicherweise zu wenig und Vorstände bekommen definitiv zu viel.

Das ist so Konsens, von ganz links bis über die neuen Mitten der Gesellschaft hinweg tief hinein in den braunen Sumpf rechter Stammtische. Die Diskussion läuft schon eine ganze Weile unter der Überschrift „Neiddebatte“. Schon dieser Begriff ist als großer Erfolg für die neoliberale Propaganda zu werten. Sagen die Linken.

Ist man automatisch neidisch, wenn man Millionengehälter von Führungskräften in Frage stellt? Oder ist man gar missgünstig, weil man denen da oben ihr Vermögen nicht gönnt? (Ist man ein Antisemit, wenn man Israels Aussenpolitik hinterfragt?)

Wenigstens in der Theorie ist alles ganz einfach: In einer Zeit, in der ‚Shareholdervalue‘ kurz davor steht, alle zehn Gebote auf einmal zu ersetzten, ist es kaum vorstellbar, dass die Vorstände von Aktiengesellschaften erheblich mehr Gehalt bekommen, als sie für das Unternehmen wert sind.

Schon mehrfach wurden mir von SPD-Politikern Sätze überliefert wie:“Es ist unmöglich, dass ein Mensch tausendmal besser ist als ein anderer, also sollte auch niemand 1000x mehr Verdienen.“

Das ist natürlich total gequirlter Quark. Bei fast allen Dingen des täglichen Lebens steigt der Preis irgendwann überproportional zur Qualität. Das gilt für Essen, Kleidung und technische Geräte genauso wie für Dienstleistungen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

Fall abeschlossen? Nein, noch nicht ganz. In der Neiddebatte wird immer gerne von der Selbstbedienung der Vorstände gesprochen. Gibt es vielleicht eine Lücke im System, die das Grundgesetz der Marktwirtschaft umgehbar macht? Wer entscheidet eigentlich wieviel so ein Vorstand verdient?

Im Grunde ist so eine AG eine recht demokratische Veranstaltung. Jeder Aktionär hat ein Stimmrecht entprechend dem Nennwert seiner Anteile. Die Aktionäre wählen in der Hauptversammlung den Aufsichtsrat und der stellt den Vorstand ein. Das Gehalt des Vorstandes bestimmt also der Aufsichtsrat.

Da kommen wir dem Problem schon näher. Wer sitzt nämlich typischerweise in so einem Aufsichtsrat? Richtig, vor allem verrentete Exvorstände!

Jeder der eine Oma hat weiß, dass ältere Leute jüngeren gerne Geld zustecken, wenn sie es denn haben. Ich könnte mir vorstellen, das dieser Reflex sogar noch verstärkt wird wenn es sich nicht um das eigene Geld handelt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Aufsichtsrat nicht selten zusätzliche Beraterverträge bekommt. Als Taschengeld sozusagen.

Folgendes Szenario wäre also denkbar: Ein Kartell aus Aufsichtsräten und Vorständen macht den Aktionären Angst, nach dem Motto:“ klar könnten wir auch einen preiswerteren Manager einstellen, aber dann könnte es sein, dass Ihr Geld nächstes Jahr um diese Zeit schon futsch ist… “ Die Aktionäre werden kreideweiß im Gesicht und nicken alles ab. Vorstand und Aufsichtsrat halten anschließend eine kleine „Nachtsitzung“ ab mit viel Schampus und Nutten ohne Ende.

Was mir allerdings bis vorhin nicht klar war, ist dass der halbe Aufsichtsrat aus Arbeitnehmervertretern besteht. Also Betriebsräten, Gewerkschaftsfunktionären und ähnlichen Gestalten, die immer am lautesten jammern, dass die soziale Gerechtigkeit noch immer nicht stattfindet.

Bei Gleichstand können die Aktionärsvertreter zwar die Arbeitnehmervertreter überstimmen, aber davon dass in Aufsichtsratssitzungen erbitterte Kämpfe um die Höhe der Vorstandsgehälter stattfinden hat man eigentlich noch nie was gehört.

Was heißt das jetzt also? Bekommen Vorstände doch angemessene Gehälter (1,5-8 Mio. € bei Dax-Unternehmen)? Stehen Arbeitnehmervertreter etwa auch auf Geld und Orgien? Ich weiß es doch auch nicht.

Aber eine kleine Anmerkung noch zum Schluss: Ich finde es sehr interessant, wie die Neiddebatte an einer Berufsgruppe völlig vorbeiläuft, die mindestens in der gleichen Größenordnung kassiert wie Vorstandsvorsitzende: Profifußballer.

Sie haben keine besonders große individuelle Verantwortung (in Arbeitsplätzen gerrechnet) und sicher wenige 18-Stunden-Tage pro Woche (Disko zählt nicht!). Sie kicken auch nicht 1000 mal besser als der durchschnittliche Hobbybolzer vom 1. FC Schießmichtot.

Warum fordert also niemand eine Gehaltsobergrenze für Profisportler, sagen wir mal zum Beispiel auf dem Niveau der Bundeskanzlerinnenvergütung? – Weil jedem klar ist, dass Deutschland dann im internationalen Fußball sehr bald keine Rolle mehr spielte.

Und das wäre doch auch nicht gerecht!

Designte Experimente

Als industrieller Entwicklungsingenieur bin ich angehalten der hohen Lehre des DOE (design of experiments) zu folgen.

Als Ahnungsloser Doktorand habe ich immer planlos an irgendwelchen Parametern rumgedreht, mal an dem einen dann am nächsten, und geschaut was passiert. Ein Wunder, dass ich irgendwelche reproduzierbaren zuverlässigen (unter Bauchschmerzen) vorzeigbaren Ergebnisse herausbekommen habe.

Jetzt weiß ich, dass man sich vorher ein paar Zahlen aus dem Ar… zieht, die sinnvolle Elemente des Parameteraums darstellen sollen und sich softwareunsterstüzt daraus eine große Versuchstabelle erstellen läßt, in der sämtliche Parameter systematisch variiert werden.

Diese Tabelle arbeitet man dann akribisch ab, trägt die Ergebnisse ein, trägt die Tabelle dann zu seinem Computer und macht eine Auswertung.

Ich muss zugeben, dass diese strenge Vorgehensweise mir sehr hilft. Dadurch, dass von Versuch zu Versuch immer mehrere Parameter gleichzeitig geändert werden, fällt es einem nämlich schwerer eine konkrete Erwartung an das Versuchsergebnis zu entwickeln.

Ich habe leider die gefährliche Neigung, von meinen Versuchsplänen abzuweichen, sobald Versuchsergebnisse nicht meinen Erwartungen entsprechen. Denn meistens ist die Zahl der Proben begrenzt und immer ist die Zeit knapp. Wenn also das Drehen an einem Parameter X nix zu bringen scheint, dann hört man doch lieber damit auf und dreht mehr woanders. Verzettelung ist damit vorprogrammiert.

Eine DOE Matrix muss vollständig ausgefüllt werden damit anschließend per Software das Gleichungssystem gelöst werden kann, so dass die Einflüsse der einzelnen Parameter offenbar werden.

Natürlich hat auch dieses System seine Tücken, aber bisher macht es großen Spaß.

Ratatouille

Hurra, Pixar ist wieder da!

Nachdem ich von Cars sehr enttäuscht war (so enttäuscht dass ich offenbar nichtmal dazu gebloggt habe), kann ich den neusten Animationsfilm wieder sehr empfehlen.

Technisch werden wie gewohnt neue Maßstäbe gesetzt, die Story ist unterhaltsam und es gibt viele gelungene Gags.

Vor allem aber gibt es wieder einen großartigen Vorfilm: Lifted. Ich habe Tränen gelacht und um Atem gerungen!

Unterm Strich bleiben ‚Die Unglaublichen‘ aber mein Pixar Favorit, deshalb gibt es 8/10.

Sehr witzig!

Das Christentum geht von einem gütigem Schöpfergott aus, der die Menschen liebt wie Kinder.

Realistisch betrachtet ist das genaue Gegenteil der Fall, wenn man sieht dass leben meistens leiden bedeutet. Mal mehr mal weniger. Eltern versuchen ihren Kindern Leiden zu ersparen, wenn es irgendwie geht.

Ich glaube der Schöpfer ist, wenn es ihn denn gibt, ein gemeiner sadistischer Leutequäler, der sich köstlich amüsiert über die kleinen und großen Dramen die uns täglich passieren.

Bisher kann ich mich allerdings nicht beklagen, denn mein Leben verlief soweit ohne die ganz großen Tragödien. Ich denke der große Plan sieht vor, dass ich durch kleine subtile Gemeinheiten in den Wahnsinn getrieben werden soll.

Letzte Woche zum Beispiel: Ich hatte Zeit. Das Wetter war genau richtig. Kein Regen aber auch keine Sonne (bei Sonne soll man nicht Fensterputzen, das gibt Streifen). Also habe ich fast ein halbes Jahr nach meinem Einzug hier zum ersten mal Fenster geputzt.

Zwei Tage später bekomme ich einen Anruf von einer Fensterputzfirma, die im Auftrag von meiner Wohnungsgenossenschaft in meiner Wohnung die Fenster putzen soll. Gaaaaaaaaaaaaaaa!!!!!

Das kann kein Zufall sein. Das hat jemand von langer Hand geplant und sich totgelacht über mich! Hundertprozentig!

Ach ja, noch was übers Fensterputzen: Es gibt auch ohne Sonne Streifen, man sieht sie nur nicht gleich so deutlich.

Myanmar, Brima, Burma, wie auch immer…

Es gibt sie also doch noch. So richtig fiese Millitärdiktaturen, wie man sie sich in der klassische Bananenrepublik vorstellt.

Die Bevölkerung wird gnadenlos ausgebeutet, und wer aufmuckt wird gründlichst beseitigt. Das ist doch noch echte Staatsgewalt, wenn die Regierung dem ganzen Land einfach mal das Internet abdrehen kann.

Die Welt schaut zu und staunt, ist betroffen und empfindet Mitleid. Leider presst die Junta ihrem Volk genug ab um chinesische Waffen zu kaufen. Und mit China darf man es sich nicht verscherzen. Unsere Angela ist mit ihrem Dalai Lama Date ja schon eindeutig zu weit gegangen.

Also hilft nur Daumendrücken, dass die Lage sich weiter destabilisiert, bis sich die kleptokratischen Despoten zu ihren gut gefüllten Nummernkonten ins Exil absetzten und ein paar hübsche Runden Anarchie folgen, bevor sich neue Gewaltherrscher durchsetzten können. Die Aufmüpfigen haben dann zwar immer noch nicht genug zu essen, aber vielleicht wissen sie Ruhe und Ordnung wieder zu schätzen.

Abgeroquet

Wie angekündigt waren die Sportfreunde Stiller gestern abend in Regensburg zu Gast und ich war Zeuge ihres Auftritts.

Ich weiß jetzt nicht, ob es an der schlechten Akkustik der Donauarena lag oder an der geringeren Begeisterungsfähigkeit der Regensburger, aber von einem quasi-Heimspiel von Flo, Peter und Rüde hatte ich mehr erwartet. Gerade in Dresden war da einiges geboten (vom Publikum, nicht von der Band).

Es dauerte bis in die zweite Hälfte des Gigs, bis es auch mehr als die erste Reihe mal schaffte ein ganzes Lied lang durchzutanzen.

Aber dann gings richtig gut ab. Ich war, nein, bin immer noch, sehr tot und ein bisschen heiser.

Die Songauswahl hat mir ziemlich gut gefallen. Lediglich ‚International‘ und mein persönlicher Geheimfavorit ‚Hockey‘ haben mir gefehlt.

Servus Sportfreunde, schön dass ihr da wart!