Vom Ver- und Entkuppeln

Das ganze begann in den späten 80er Jahren mit Herzblatt und Rudi Carell. Drei Kandidaten mussten durch spontanes Fragenbeantworten ein Date gewinnen. Früher, in der guten alten Zeit lief das wirklich spontan, so dass gelegentlich auch nur Ähhs und Gestotter über die Herzblattwand kamen. Deshalb wurden die Fragen später vorher abgesprochen und spontane, witzige und originelle Antworten der Kandidaten auswendig gelernt.

Ein weiterer Kuppelschowklassiker war Geld oder Liebe mit dem unvergleichlichen Jürgen von der Lippe. Mitunter genial komische Spielideen sollten hier die Kandidaten zueinander bringen.

Mitte der neunziger stieg auch MTV, damals fast noch ein Musiksender, in das Kuppelshowgeschäft ein. Seit Singled out hat sich auf diesem Kanal die Zahl der Flirtformate dramatisch ausgeweitet. Inzwischen machen solche Shows einen Großteil des Programms aus.

Aber ich greife vor. Auch im klassischen deutschen Privatfernsehen gab es immer wieder Versuche, beziehungsstiftend Quote zu machen. Ein besonders dunkles Kapitel waren die diversen ‚Ich heirate einen Millionär‘ Shows, die uns auf beeindruckende Art vor Augen führten, wie sehr sich Frauen selbst erniedrigen können.

Das aktuelle MTV-Format zu dieser Sparte nennt sich Flavor of Love. Ein Typ namens Flavor Flav, wohl sowas wie der Ozzy Osbourne des Hip Hop, ein Altrapper quasi, sucht angeblich die Frau für’s Leben (Wer’s glaubt…). Dazu lädt er sich ein gutes Duzend junger Frauen ein, die _alles_ machen (und mit sich machen lassen), um ihm zu gefallen. Daneben gibt es Zickenkrieg ohne Ende.

Abgesehen von Flav, konzentriert man sich bei MTV aber auf das Verkuppeln von jungen schönen Menschen. Dissmissed, Room Raiders, Next und Date my Mom fallen mir spontan ein, aber ich zweifle daran, dass diese Liste vollständig ist.

RTL dagegen sucht die Herausvorderung und nimmt sich der Schwervermittlebaren an. Schwiegertochter gesucht und Bauer sucht Frau sorgen für schockierend hohe Einschaltquoten. Bis zu acht Millionen Zuschauer schauen sich zum Beispiel die unbeholfenen Anährungsversuche der Landwirte an.

Auch wenn die Kuppelshowformate noch immer hoch im Kurs stehen, zeichnet sich bereits der nächsteTrend ab. Denn was könnte Spannender sein, als Menschen zusammenzubringen? – Paare auseinander zu bringen natürlich. Parental Control und X-Effect sind Beispiele dieser neuen Formate, deren Zeit aber gerade erst begonnen hat.

Was bleibt ist die Frage: Gibt es für Niveau einen absoluten Nullpunkt?

Ps.: Ich habe den Post schon vor einiger Zeit angefangen. Inzwischen kann ich die Frage wenigstens zum Teil beantworten: Jedenfalls nicht im Fernsehen!

Joggen ist doof

Stimmt natürlich nicht. Joggen ist total toll. Joggen ist Energie. Joggen ist Jugendlichkeit, Fitness und damit letztendlich auch Schönheit. Joggen ist die moralische Überlegenheit über alle Nordicwalker.

Das doofe an Joggen ist, 30 Minuten pro Monat bringt nix. Höchstens Muskelkater. Und das ist ja wenigstens Euschmerz. Runners-High post mortem sozusagen.

Aber im Ernst, eine halbe Stunde pro Monat ist gar nix. Da wird man jedes mal langsamer. Da ist man das allerletzte. Bis man den nächsten Walker überholt wenigstens. Aber auch das gelingt nur noch mit Mühe.

Trägheit. Die Trägheit der Masse! Und mit der Trägheit nimmt die Masse sogar noch zu. Das ist doch paradox. Das ist eben der Unterschied zwischen Biologie und Physik. In der Physik ist und bleibt die Masse eines Köpers in Ruhe minimal.

Ein Toifelskreis.

Da hilft eben nur Disziplin. Selbstdisziplin. Trainingsplan an der Klotür und Süßigkeiten im Safe mit dem Zeitschloss. Und natürlich Fernsehverbot.

Leider kann ich nicht sofort anfangen. Jetzt ist ja EM. Danach ist dann gleich Olympia. Und dann ist die Saison eh schon gelaufen. Im Gegensatz zu mir.

Dann müßte ich nur mal gut über den Winter kommen. Und im Frühling dann richtig früh einsteigen. Mit Disziplin. Selbstdisziplin. Trainigsplan an der Klotür…