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Lange ist es her, seit ich zum letzten mal einen so unterhaltsamen Wahlabend genießen durfte. Nicht nur das historische Ergebnis hatte eine großartigen Unterhaltungswert, auch was die versammelten Kanditaten danach so von sich gaben macht hauptberufliche Kabbaretisten eigentlich überflüssig.

Wo fange ich an? Am besten ganz unten. Bei der SPD.

Da war nichts als Schadenfreude. Oder das Triumphgeheul darüber, nicht alleine untergehen zu müssen: „Die CSU hat verloren, die CSU hat verloren…“ – „Aber ihr doch auch, Genossen!“ – „Aber wir sind schon dran gewöhönt und die CSU noch nihicht, nänänänänäääänääääää!“

Ja und dann die CSU. Da könnte man fast Mitleid bekommen. Aber nur fast, denn Einsicht geht anders. Der dumme Wähler hat noch gar nicht begriffen, was er da angerichtet hat. Koalieren, das klingt doch wie irgendsowas unanständiges…

Aber der weise Landesvater findet Trost: Die Stimmen der CSU (jaha, die Stimmen der CSU!) sind im Bürgerlichen Lager geblieben und könnten ja daher irgendwann zurückgewonnen werden.

Oder andersherum gesehen: Ein ehemaliger CSU-Wähler, der die SPD wählt oder die Grünen oder, Herr bewahre, gar die bösen Kommunisten, ist für immer verloren und soll in der Hölle schmoren bis zum jüngsten Gericht.

Die Grünen freuen sich zurecht über ein schönes Ergebnis, verfallen aber dabei in leichten Größenwahn wenn sie ankündigen, eine große bunte Koalition gegen die CSU schmieden zu wollen.

Da steht nämlich die FDP dagegen, die sich schon hingebungsvoll anbietet, als Stütze für die strauchelnde Instanz.

Wirklich sympatisch kamen eigentlich nur die Freien Wähler daher, die sich einfach nur freuten und ein sachorientiertes, pragmatisches Vorgehen angekündigt haben.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht und wünsche allen Politikern trotz allem einen fröhlichen Montag!

Das Müsli-Malheur

Ein guter Tag beginnt mit einem guten Frühstück. Da unter der Woche die Zeit zu knapp ist für frische Brötchen und perfekt auf den Punkt gekochte Eier, gibt es gutes Müsli.

Leider wird das Müsli auf dem Transportweg offenbar gelegentlich durchgeschüttelt, was zu einer gewissen Entmischung führt. Kleine Krümel und Haferflocken sind unten, dazwischen die Fruchtstücke, Cornflakes und Nusstücke und ganz oben die Rosinen.

Nennt mich kleinlich, aber ich finde es nicht so toll, wenn das Müsli erst viel zu rosinig und gegen Ende der Packung total trocken haferflockig ist.

Zum Glück ist das Problem, wenn man die Ursache kennt, leicht zu beheben: Müslitüte umdrehen und schütteln. Durch mehrmaliges Drehen und Schütteln in verschiedene Richtungen, kriegt man das gute Früchtemüsli schnell wieder halbwegs homogen.

Dumm ist nur, wenn man dabei ein bisschen zu heftig anfasst. An diesem Tag stand ich plötzlich mitten in einer Müsliwolke, die sich schnell über die Essecke und die gesamte Küche ausbreitete.

An dieser Stelle geht ein herzliches DANKE an James Murray Spangler, den Erfinder des Staubsaugers.

Allen anderen Menschen wünsche ich einen fröhlichen Montag!

Meine zweite RTF

Nach der schönen Tour in Heidenau letztes Jahr war ich heute bei der Welt-Kult-Tour dabei, die praktischer Weise ca. 1km von meiner Wohnung entfernt gestartet wurde.

Ich hatte mich Anfang August für die ‚Fun-Sport-Strecke‘ angemeldet, die mit 95km angegeben ist und ging davon aus, dass ich in den fast zwei Monaten locker die nötigen Trainigskilometer zusammenbekommen würde.

Eine mehrfach verschleppte Erkältung hat das leider verhindert. Plan B war also, gar nicht zu trainieren und möglichst gut erholt auf die Strecke zu gehen.

Der Plan ist soweit aufgegangen, ich lebe noch… Aber ab km 50 war Schluss mit Fun und der Sport ging los. Und die letzten 10km waren dann echt heftig, obwohl es da nicht mehr bergauf ging. Und dann war die Strecke in Wirklichkeit auch noch 98km lang!!! (Die Schweine!)

Am Ende bin ich glücklich (das es vorbei ist) und natürlich ein bisschen stolz auf mich (was riecht da so komisch).

Für alle Freunde der Statistik, hier noch die Fakten:

Ich bin 4h6min gefahren und habe 46 Minuten Pause gemacht, bzw. auf eine Fähre gewartet.

Den Rest gibts im Bild:

Der Springer

Es war eine kalte, klamme Nacht im Dezember und ich war in sonderbarer Stimmung unterwegs, auf dem Heimweg von einer dieser wenig besinnlichen Weihnachtsfeiern, die man um diese Jahreszeit über sich ergehen lassen muss.

Es war spät und nur wenige Menschen begegneten mir in den engen, nebeligen Gassen der Altstadt.

Ich erblickte ihn bereits bevor ich die Brücke betrat. Er stand ungefähr in der Mitte, ausserhalb des Geländers, an dem er sich mit beiden Armen hinter seinem Rücken festklammerte. Unter ihm rauschte die reißende Strömung des dunklen, kalten Flusses, der zu dieser Zeit viel Wasser führte.

Ich wußte, was ich zu tun hatte. Und ich weiß, dass ich es an jedem anderen Tag auch genau so gemacht hätte. Doch an diesem Abend konnte ich es nicht, sondern tat etwas völlig anderes.

Ohne Eile ging ich zu ihm hin und stellte mich ein paar Schritte neben ihm an das Geländer. „Hallo!“ sagte ich nach einer Weile.

Er sah mich an, und ich werde diesen ersten Blick nie mehr vergessen, solange ich lebe. Diese Mischung aus Wut, Trauer und Verzweiflung aber auch einem winzig kleinen Funken Hoffnung…

„Kommen Sie nicht näher“, sagte er, obwohl ich mich nicht gerührt hatte. „Tue ich nicht“, versprach ich ihm und schwieg.

„Versuchen Sie nicht, es mir auszureden!“ rief er nach einer Weile, sichtlich irritiert, dass ich keine Anstalten machte, meinen Teil des Dialoges dem Drehbuch gemäß abzuliefern. Ich ließ mir Zeit mit meiner Antwort, die erneut so gar nicht in das Konzept dieses unglücklichen Menschens passen sollte:“Das muss ich gar nicht. Du springst ja doch nicht.“

„Und ob ich springe! Sie werden schon sehen! Kommen Sie nicht näher!“, war die aufgebrachte Erwiderung. Eine Zeit lang war nichts zu hören außer den gedämpften Geräuschen der Stadt und dem gleichförmigen Rauschen der Strömung. Dann fragte er:“Wollen Sie gar nicht wissen, warum ich es tue?“.

In diesem Moment spürte ich, wie dieses seltsame, böse Gefühl völlig von mir Besitz ergriff und meine letzten Skrupel überweltigte. Ich entgegnete:“Lass mich raten… Sie hat dich verlassen.“ Seine Miene ließ keinen Zweifel daran, dass ich ins Schwarze getroffen hatte. „Ich wußte es!“ setzte ich nach, „Und ich weiß sogar warum. Aus dem selben Grund, aus dem du niemals springen wirst. Weil du ein Weichei bist! Einer der wirklich springen will steigt über das Geländer und springt! Der steht nicht stundenlang herum und wartet auf jemanden zum Reden.“ Ich ließ eine kurze Pause, bevor ich fortfuhr:“Glaubst du, sie bekommt Mitleid, wenn sie davon erfährt und kommt zurück zu dir?  – Vergiss es!“

Wieder sah er mich an. Mit einem Blick ganz ähnlich dem ersten, genau so unvergesslich. Wieder Wut, wieder Trauer. Verzweiflung vor allem. Dann drehte er sich weg und sprang.

Ich sah seinen Kopf noch einmal kurz auftauchen, schon viele Meter stromabwärts, bevor ihn ein Strudel endgültig in die Tiefe zog.

Eine Weile geschah nichts. Dann hörte ich eilige Schritte auf mich zukommen. Es war eine Frau, Ende vierzig, Anfang fünfzig. „Machen Sie sich keine Vorwürfe, ich habe alles gesehen. Sie haben versucht es ihm auszureden.“

Manchmal, an Tagen wie heute hole ich den Artikel hervor, den ich aus dem Lokalteil der Zeitung ausgeschnitten habe. Denn obwohl ich mich ganz genau an jedes Wort, jedes Detail erinnern kann, kommt mir das Erlebte manchmal so unwirklich vor, als hätte ich es nur geträumt.

(Ähnlichkeiten mit wahren Begebenheiten, lebenden oder toten Personen oder anderen fiktiven Geschichten sind zufällig, nicht gewollt und mir nicht bekannt.)

Höhenangst

Höhenangst ist eigentlich total der Falsche Begriff für mein Problem. Ich habe keine Angst vor Höhe. Ich war schon auf 4000m hohen Bergen unterwegs und fühle mich in Flugzeugen auf 36000 Fuß sehr sicher und entspannt.

Mulmig wird mir aber schon, wenn ich in knapp 2m Höhe auf einer wackeligen Leiter stehe oder mich an irgendeiner Form von ungesichertem Abgrund befinde.

Ich habe keine Angst vor der Höhe sondern vorm Runterfallen oder wenn man es ganz kleinlich betrachten will (heee, ich bin’s) vor dem Aufprall.

Langer Vorrede, kurzer Sinn, ich war am Wochenende im Klettergarten Hochseipark Lam. Damit habe ich endlich einen Gutschein eingelöst, den meine lieben BNS-Kollegen mir zum Abschluß meiner Promotion geschenkt hatten.

Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass ich mich sehr überwinden würde müssen, um mich in der Höhe von ca. 10m überhaupt irgendwie zu bewegen. Aber Dank der überzeugenden Sicherung (zwei Sicherungsleinen an zwei unabhängigen Drahtseilen), konnte ich mich sogar recht unbeschwert bewegen.

Der Oberkick kam aber ganz zum Schluss. Man stelle sich einen Pfahl vor. Knapp 20cm Durchmesser. Ungefähr 7m hoch. Mit Griffen und Tritten zum Hochklettern. Quasi die ultimative Version der kippligen Leiter.

Und da soll man hochklettern, SICH OBENDRAUF HINSTELLEN und in die Sicherung springen. Das war dann doch irgendwie einer sehr grenzwertige Erfahrung. Beim Hochklettern war mir ein bisschen schlecht. Aber ich habe es geschafft, irgendwie… sehr genial!

Nochmal ganz herzlich Danke an alle, die sich am Gutschein beteiligt haben, für einen schönen Tag und ein tolles Erlebnis! Und natürlich an Wirzi für’s Mitmachen!

Und Jetzt ein paar Bilder…