Klagelied über ein Mittagessen

Oh Trauerkloß vom Hefeteig
Als Dampfnudel herausgelobt,
welch grobe Ungerechtigkeit!
Wie gern hätt ich getobt.

Du trüber Nebenhölenschleim
Vanillig im Geschmack
Du hilfst dem Trauerkloß hinein,
Hinab den Verdauungssack.

Oh Zucker, süßer, treuer Freund
Errette diesen Tag!
Was pur zum puren Ekel neigt,
Versüßt ich gern ertrag.

Einen Versuch wert?

Bis eben ging es mit der Wirtschaft in unserem schönen Land ordentlich bergauf. Könnt ihr euch noch erinnern, wie das damals angefangen hat? Das war nämlich ein wenig Paradox:

Die neue große Koalition der Abzocker hatte eine enorme Mehrwertsteuererhöhung angekündigt und die Experten waren sich einig, dass das die eh schon schwache Konjunktur total abwürgen würde. Das Gegenteil war der Fall. Alle Angstsparer packten ihre Notgroschen aus und holten viele Investitionen nach, mit denen sie schon lange auf bessere Zeiten gewartet hatten.

Den neuen Fernseher oder das Auto lieber jetzt kaufen, bevor die Steuer kommt. Das war wohl bei vielen die Devise. Dabei entdeckten wir die Freude am Geldausgeben wieder und als die Steuer dann da war, hörten wir nicht damit auf, denn die guten Zeiten waren endlich da, die Binnennachfrage zog an und plötzlich ging auch die Arbeitslosigkeit zurück.

Jetzt kippt das Ganze um und die Finanzkrise bedroht den schönen Aufschwung der letzten Jahre. Alle halten die Luft an, sorgen sich um ihr Geld und geben nichts davon aus. Wer weiß was am Ende übrigbleibt. Derweil drosseln die Fabriken ihre Produktion und schon bald werden sich die ersten Zeitarbeiter auf der Straße wiederfinden.

Die dramatischen Auftritte unserer höchsten PolitikerInnen, bei denen Sie nachdrücklich verkünden, dass absolut kein Grund zur Panik besteht, haben leider absolut nichts beruhigendes an sich. Doch wer im tiefen Wasser verkrampft geht unter.

Großzügig werden Millarden gegeben um ruinierte Banken zu retten. Aber ist das wirklich der beste oder gar einzige Weg? Könnte man nicht das Geld verwenden, um den Unschuldigen direkt zu helfen? Die Banken, die sich verspekuliert haben, hops gehen lassen und nur da einspringen, wo es zu verhindern gilt, dass auch die sogenannte Realwirtschaft in Bedrängnis gerät, weil sie z. B. keine Kredite mehr bekommt?

Ich hätte noch einen ganz anderen Vorschlag: Wie wäre es mit einer befristeten Mehrwertsteuersenkung für ein halbes Jahr auf 15%. Ich glaube in den letzten drei Monaten vor der Rückerhöhung würden wieder viele Leute, die es sich eigentlich leisten können, sich so aber nicht trauen, wieder mehr Geld ausgeben. Und damit die panische Starre auflösen, in die sich unsere Weltwirtschaft gerade hineinbewegt.

Ach ja, noch ein Wort zu dieser großartigen Einlagengarantie: Da ich als relativ junger Mensch noch nicht viel Zeit zum Geldansparen hatte, aber noch viele Jahre als Steuerzahler vor mir habe, hoffe ich sehr, dass es nicht soweit kommt, dass diese Garantie greifen muss. Eine solche Garantie ist ein typisches Beispiel für das Abschieben von aktuellen Problemen auf die Generationen der Zukunft. Auch das kann nicht ewig gutgehen und wo das enden könnte hat uns die Doro hübsch bunt ausgemalt.

Raus aus den Schulden

Lieber Herr Finanzminister,

ich finde es ja ganz großzügig von Ihnen, dass Sie der armen verarmten HypoRealBank mit meinen zukünftigen Steuern aus der Klemme geholfen haben. Die können ja nichts dafür, dass sie sich völlig verspekuliert haben. Und außerdem geht ja auch die Welt unter, wenn so eine große Bank, die ja auch im Dax ist, einfach pleite geht.

Leider sind die ganzen anderen Banken ja auch nicht mehr ganz flüssig und ich mache mir ein bisschen Sorgen, das die ganzen Steuern, die ich noch zahlen muss am Ende womöglich gar nicht reichen werden (ich darf ja eigentlich nur bis 67 arbeiten).

Da hatte ich die Idee, es gibt nämlich da im Fernsehn so einen netten Mann, den Herrn Zwegat, der Leuten hilft, die mit dem Geld nicht so ganz gut umgehen können. Der Herr Zwegat ist staatlich und in Berlin.

Da dachte ich, vielleicht kann der Herr Zwegat mal mit den Banken reden und denen das mal erklären, wie das geht mit den Schulden.

Nicht dass uns am Ende noch alles die Wupper runtergeht. Wer doch auch schade, ne?

Herzlichst, ihr ehrlichster Steuerzahler.

Weiß (Fortsetzung)

Ein ferne Stimme weckt mich aus meinen Betrachtungen. ‚Weiß‘ – wie bin ich bloß darauf gekommen? Mein Blick fokussiert sich wieder auf das Weiß meines leer gegessenen Tellers. Er wandert über Karls halb leeres Glas zu seinem Gesicht.

Da ihm meine geistige Abwesenheit nicht entgangen ist, wiederholt er mit Nachdruk, was er eben gesagt hat: „Hat doch alles keinen Zweck.“ Und Karl meint das Ernst.

Er ist Pessimist. Durch und durch. Das hört man in jedem seiner Worte und sieht es in jedem seiner Blicke. Seine herabhängenden Mundwinkel sind umgeben von einem Netzwerk aus tiefen Sorgenfalten.

Ich lasse den Blick lieber wieder auf meinen Teller sinken. Für Karl ist weiß nur die Farbe der Leere.

Ist weiß eine Farbe?

Weiß ist die Farbe des Anfangs. Die Farbe der unbeschriebenen Blätter und der ungemalten Bilder.

Die Farbe der ungeschorenen Wolle und des ungefallenen Regens in den Wolken.

Weiß ist die Farbe des ungetauten Schnees.

In Europa gilt weiß als die Farbe der Unberührtheit. In Asien hingegen ist weiß die Farbe des Todes. Aber in Asien glaubt man an die Wiedergeburt. Dort ist jeder Tod ein neuer Anfang.

Weiß ist die Farbe der Zukunft und der unbegrenzten Möglichkeiten.

Weiß ist nicht nur eine Farbe, weiß ist die Summe aller Farben.