The Gathering

Es begann an einem eiskalten Wintermorgen. Die träge Sonne hatte sich zu dieser frühen Stunde noch kaum über den Horizont erhoben, geschweige denn einen Weg durch den Frühnebel gebahnt, der über Nacht aus dem Flusstal herauf vorgedrungen war.

Doch auf dem Vorplatz hatte sich bereits eine kleine Gruppe von Menschen versammelt, als ich fröstelnd dazu stieß. Anfangs am Rand stehend, sah ich mich bald von einer großen Menschentraube umgeben, da sich Augenblick um Augenblick weitere Neuankömmlinge zu uns gesellten.

Einige kamen schweigend und alleine, so wie ich. Andere begrüßten mit großem Hallo ihre Freunde und alten Bekannten. Wieder andere trafen bereits zu zweit oder zu dreien ein und nicht wenige hatten sogar ihre Kinder mit hergenommen.

Eine gespannte Erwartung knisterte in der eisigen Winterluft. Und – ja – es war auch so etwas wie Vorfreude zu spüren. Jeder hatte das untrügliche Gefühl, Teil von etwas ganz Großem zu sein.

Doch als die Zeit verstrich ohne dass das ersehnte Ereignis eintrat, kam Unruhe auf, fast schon Unmut ob der Ungerechtigkeit, in dieser Kälte über die versprochene Stunde hinaus warten zu müssen.

Die Spannung jedoch löste sich Augenblicklich und musste der Euphorie weichen, als die Türen sich endlich öffneten und wir, sanft drängelnd, in den Laden stürmen konnten. Immerhin gab es endlich mal wieder Computer und Zubehör bei Aldi und außerdem Schlittschuhe und Winterklamotten!

Die Gute Nachricht

Die Weltwirtschaft befindet sich im Sturzflug, Terror und Piraterie sind nur die ersten Vorboten der weltweiten Anarchie, die Hunger, Krankheit und Zerstörung allenthalben mit sich bringen wird…

…aber es gibt auch noch gute Nachrichten:

Der Vatikan hat John Lennon verziehen.

John hatte damals vor etwa 40 Jahren gemeint, die Beatles wären berühmter als Jesus. Der Vatikan hatte das zum Anlass genommen, Blaschfemiiie zu zetern und ein paar Jahrzehnte lang zu schmollen (bis heute). Weil: niemand ist berühmter als der Jesus, höchstens Gott und der ist eigentlich das selbe wie der Jesus.

Jetzt meint der Vatikan, dass der John das damals nicht so gemeint hat sondern sich im jugendlichen Übermut hat hinreissen lassen.

Gemein daran ist, dass der John schon über 25 Jahre tot ist und es leider nicht geschafft hat wieder aufzuerstehen (das hat ihm der Jesus schonmal voraus) so dass er sich jetzt nicht mehr wehren kann.

Ich glaube nämlich, der hat das wohl so gemeint.

Aber egal, let’s give peace a chance, bestimmt hätte der John dem Vatikan diese vermurkste Entschuldigung verziehen. Immerhin haben die Kleriker auch eingeräumt, dass das Weiße Album keine schlechte Platte ist. Wenigstens da sind wir uns doch mal alle einig…

In diesem Sinne, fröhlichen Montag!

Nachts um halb drei

Egon kniff seine Augen zusammen und versuchte schon zum dritten mal herauszufinden, welche zwei Zahlen in der sechsten Spalte noch fehlten. Diesmal kam er bis zur vier, bevor ihn der Sekundenschlaf erneut überwältigen konnte. Zu einer vernünftigen Uhrzeit hätte er für dieses Rätsel höchstens zehn Minuten gebraucht aber jetzt, mitten in der Nacht, kämpfte er schon fast seit zwei Stunden damit.

Über neun Jahre Jurastudium und Referendariat und dann das! Immerhin blieb es ihm so erspart Taxi zu fahren oder Fritten zu verkaufen. Er dachte vor allem an seinen Ex-Komilitonen Norbert, der ähnlich gruselige Arbeitszeiten in Kauf nehmen musste um das unbezahlte Praktikum zu finanzieren, das er für die letzte Hoffnung auf eine Fortsetztung seiner juristischen Karriere hielt.

Egon war wohl wieder eingenickt, denn als das Telefon klingelte, hatte er das Gefühl geweckt zu werden.

Der Bildschirm neben dem Telefon zeigte automatisch die Daten von Herrn Berthold Grieslich an, als den der Sprachcomputer des Callcenters den Anrufer identifiziert hatte.

Egon schüttelte noch einmal kräftig den Kopf, um ein wenig wacher zu werden, bevor er das Gespräch mit dem vorgeschriebenen Satz begann:

„Willkommen bei der Advokuranzia, Sie Sprechen mit Egon Mehrtens, wie kann ich Ihnen helfen?“

„Sind Sie wirklich ein richtiger Anwalt?“, fragte die misstrauische Stimme eines älteren Mannes (64 Jahre, Frührentner, wie Egon mit einem Blick auf den Monitor feststellen konnte).

„Ich bin Volljurist und habe die Zulassung der Hamburger Anwaltskammer als Rechtsanwalt zu arbeiten“, antwortete Egon bemüht freundlich, „Was kann ich denn für Sie tun?“.

„Na dann können Sie ja nicht viel taugen als Anwalt, wenn Sie um diese Zeit am Telefon sitzen müssen.“

Das Egon dem Volljuristen auf diese Anschuldigung keine passende Erwiderung einfiel, war bezeichnend und nicht nur der Uhrzeit geschuldet.

„Aber alles was ich Ihnen gleich sage ist doch vertraulich und Sie dürfen es nicht weitererzählen, oder?“

„Selbstverständlich!“ schöpfte Egon neue Hoffnung.

„Und dieses Gespräch wird auch nicht überwacht oder aufgezeichnet?“ – „Nein, es sei denn wenn Sie das ausdrücklich wünschen.“

„Unterstehen Sie sich!“ knurrte Grieslich, bevor wieder eine kurze Pause entstand. „Es ist nämlich so“, machte er dann weiter, „ich braüchte einen juristischen Rat, weil ich gerade meinen Nachbarn umgebracht habe.“

„WAS haben Sie?“, fragte Egon, plötzlich erheblich wacher als zuvor.

„Es war Notwehr. Das alte Scheusal hat mich provoziert!“ fuhr Grieslich ungerührt fort.

„Das ist aber nicht ganz das Selbe“, musste Egon da einwenden.

„Es spielt auch gar keine Rolle. Ich wollte Sie eigentlich nur fragen, wie lange ich die Leichen verstecken muss, bis die Sache verjährt ist.“

„Mord verjährt nicht“, sagte Egon automatisch bevor das entscheidende Detail sein Bewußsein erreichte. „Haben Sie Leichen gesagt?“

„Ich habe gesagt, dass es Notwehr war!“ korrigierte Grieslich.

„Leichen? Plural?“

„Seine Frau ist natürlich auch tot, aber das war eher ein Unfall“, erklärte der Alte in sachlichem Tonfall. „Sie meinen also, ich sollte lieber das bessere Versteck wählen, auch wenn das jetzt mehr Arbeit bedeutet?“

Egon dachte nach. Das war ein Fall. Ein richtiger Fall. Sein erster richtiger Fall! Die Aufregung kribbelte jetzt durch seinen ganzen Körper.

„Herr Grieslich“, sagte er dann in einem Tonfall, den er für autoritär und würdevoll hielt, „als Ihr Anwalt muss ich Ihnen dringend raten, am Tatort keine Veränderungen vorzunehmen und sich umgehend mit der Polizei in Verbindung zu setzten.“

„Pah!“, erwiderte Grieslich verächtlich, „Ich soll mich stellen? Was Besseres fällt Ihnen nicht ein? Ich hatte ja schon befürchtet, dass man um diese Zeit keinen besonders gewieften Anwalt ans Telefon bekommt.“

„Dann bitte ich Sie wenigstens nichts Unüberlegtes zu tun, bis ich bei Ihnen bin! Stimmt die Adresse?“ Egon las die Anschrift vom Bildschirm ab.

Herr Grieslich ging nicht darauf ein sondern meinte nur nachdenklich: „Sie wollen herkommen? Das ist vielleicht gar nicht so schlecht. Zusammen können wir sie tragen und hinterlassen keine Schleifspuren…“, und dann: „Aber wer geht dann bei Ihnen ans Telefon, wenn Sie hier sind? Ich möchte ja nicht, dass Sie meinetwegen noch Ärger bekommen.“

Wenn er dem Alten gleich wirklich beim Verstecken von zwei Leichen helfen würde, wäre das Verlassen des Telefons sicher der kleinere Ärger, dachte Egon. Aber davon sagte er nichts, sondern:“Bitte bleiben Sie wo Sie sind und rühren Sie nichts an, bis ich bei Ihnen bin. Ich mache mich sofort auf den Weg!“

„Einen Moment noch!“, rief Grieslich, „ich glaube mein Neffe möchte Sie sprechen.“ – „Neffe??“, fragte Egon.

Aber da krähte schon eine andere, ihm gar nicht unbekannte Stimme aus dem Höhrer: „Mensch Egon, du alte Pappnase. Da haben wir dich ja richtig doll drangekriegt! Aber mach dir nichts draus, Onkel Bert war schon immer ganz groß im Leute verarschen!“

„Ich hasse meinen Job“, war Egons wütender Gedanke, mit dem er die Verbindung unterbrach.

Doch als er sich ein wenig beruhigt hatte, konnte er sogar schon selbst über den gelungenen Scherz schmunzeln. Dann wandte er sich wieder dem Rätsel zu. Sieben Minuten später hatte er es gelöst.

Was bedeutet eigentlich ‚Gümbel‘?

Y. gibt auf und verzichtet auf ihre Kandidatur. Sogar bei Spiegel Online wird dieser Unsinn verbreitet. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall.

Anstatt die Suppe selbst auszulöffeln, holt sie diesen Gümbel aus der Versenkung (ich nehme an, das Wort bedeutet sowas ähnliches wie Dummy) und schickt ihn als Kanonenfutter in einen Wahlkampf, der nicht mehr zu gewinnen ist. Gleichzeitig behält sie den Vorsitz in Partei und Fraktion oder mit anderen Worten ihre Macht.

Wenn der Plan aufgeht wird ihr Gümbel heldenhaft kämpfen und kollosal untergehen und dafür die volle Verantwortung übernehmen, bevor er wieder dahin verschwindet, wo er jetzt hergekommen ist.

Die Verantwortung für das Desaster wird Frau Y. damit elegant los. Sie kann in der nächsten Legislaturperiode Oppositionsführerin bleiben und bei der übernächsten Wahl wieder ihre Chance suchen.

Irgendwie kommt mir das unfair vor. Ich schlage deshalb allen Hessen die das lesen vor, im Januar SPD zu wählen. Nicht aus Mitleid, sondern um zu gucken, was die Y. für ne Fresse zieht, wenn es ihr komischer Gümbel tatsächlich schafft Ministerpräsidentin zu weden.

Sie müsste jede Menge Interviews geben und dabei immer so tun, als ob sie sich total für ihn freuen würde. Allein die Vorstellung finde ich unbezahlbar.

Fensterputzen

Fensterputzen ist die Kür unter den Hausarbeiten. Im Gegensatz zu Einkaufen, Wäschewaschen oder Geschirrspülen, ist Fensterputzen an sich keine unvermeidbare Notwendigkeit. Und im Gegensatz zu anderen Putzarbeiten verlangt das Fensterputzen ein gewisses Grundgeschick, denn sonst sehen die Fenster nacher schlimmer aus als davor (glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung).

Nun ist es bald wieder soweit, denn das letzte Fensterputzen liegt fast ein Jahr zurück und die Lichtdurchlässigkeit hat merklich abgenommen. Nur gibt es da folgendes Dilemma:

Wie dreckig die Fenster sind, sieht man nur bei sonnigem Wetter. Und bei Sonne soll man nicht Fenster putzen, weil sonst gibt es nämlich Streifen. Das weiß jeder, dem keine Ausrede zum Fensterputzen zu billig ist.

Mein Plan ist also, dieses Dilemma solange gründlich zu überdenken, bis es definitiv zu kalt ist um Fenster zu putzen. Stichworte sind Heizkosten und Klimawandel (hab ich schon bemerkt, dass mir keine Ausrede zu billig ist?).

Dann ist ja auch schon bald wieder Silvester und die große Zeit der guten Vorsätze für den Frühling.