Mülltrennung

Es war einmal in den ganz frühen Neunzigern, da kam jemand auf die Idee, die (Um)welt zu retten indem man möglichst viel Abfall recycelt. Und damit sich das auch lohnt wurde das DUALE SYSTEM geschaffen auf dass ein jeder seinen Müll trennen solle.

Von da an kam Müll nicht mehr einfach in DIE Tonne sondern musste, je nachdem, in die schwarze, grüne, blaue oder gelbe Tonne, bzw. in den gelben oder grünen Sack oder was auch immer sich der kommunale Entsorgungsausschuss ausgedacht hatte, einsortiert werden.

Das ganze war eine tolle Erfindung denn endlich konnte jeder etwas für die Umwelt tun. Leider wurde das gute Gewissen, dass die Mülltrennerei erzeugte, aber auch oft durch das schlechte Gewissen aufgehoben, wenn man das Gefühl hatte, doch mal etwas falsch einsortiert zu haben, oder wenn man doch noch Essensreste in einem Yoghurtbecher zurückgelassen hatte.

Inzwischen gilt die Mülltrennerei als technisch überholt, das System gibt es aber noch immer.  Hier in Regensburg gibt es den gelben und den grünen Sack für Plastik und für Alles wo irgendwie Metall drin sein könnte.

Das Tolle daran sind die Gratismüllsäcke, die man dafür bekommt und offenbar regen Gratismüllsäcke die Fantasie vieler Leute an, die damit alles mögliche anstellen, außer Müll zu trennen. Keine Ahnung was. Zelte bauen, Swimmingpools vielleicht. Lenkdrachen? Wahrscheinlich nehmen einige Kaminbesitzer das Zeug auch einfach zum Heizen. Jedenfalls macht es die Stadt einem immer schwieriger die Dinger zu bekommen.

Vor drei Jahren gab es am Eingang zum Bürgerbüro eine große Kiste, aus der man sich die Säcke einfach mitnehmen konnte. Letztes Jahr gab es die Säcke nur noch auf Nachfrage am Wertstoffhof. Heute wollte ich mir frische Säcke holen, da fragt man mich nach meinem Coupon.

Jaaa – inzwischen braucht man einen Coupon, der im Internet oder schriftlich zu beantragen ist, der einem per Post nach Hause zugeschickt wird um dann an diversen Ausgabestellen gegen eine Rolle mit Säcken eingetauscht zu werden. Was soll ich noch dazu sagen? – Ich glaub ich dreh einfach mal durch!

In England regnet es (fast) die ganze Zeit.

Einer meiner besten Freunde lebt und arbeitet seit ein paar Monaten in England. Grund genug da mal hinzufliegen und ein paar Vorurteile Klischees zu bestätigen.

Da die ganze Operation innerhalb von einem Wochenende stattfinden sollte, habe ich keinen ganz billigen Flug nehmen können, aber Air Berlin hatte eine Verbindung von Nürnberg nach Stanstead und zu vernünftigen Zeiten und einem fairen (270€) Preis im Angebot und da habe ich zugeschlagen.

Gegen drei am Freitagnachmittag ging es los, von Regensburg über die A3 nach Nürnberg. Der Verkehr war lange nicht so schlimm wie befürchtet und so war ich mehr als rechtzeitig am Flughafen. Bekennender Frühbucher, der ich bin, habe ich mich natürlich vorher über die Parksituation informiert und wusste von der Smart-Parken-Option auf P12. Dieser Parkplatz liegt zwar fast einen Kilometer vom Terminal entfernt und ist mit 24€ auch nicht wirklich günstig, aber dafür verdient man dann bei jedem Schritt quasi bares Geld, weil sich die Parkpreise ca. alle 200m verdoppeln.

Check-in lief reibungslos, alles ging pünktlich über die Rollbahn und eine gute Stunde nach dem Start war ich im Vereinigten Königreich gelandet. Die gründliche Einreisekontrolle ersparte mir das Warten auf mein Gepäck, das vor  mir am Baggage Claim war und dann konnte das wahre Abenteuer beginnen.

In dem lustigen Königreich kann man nämlich leider nicht mit richtigem Geld bezahlen, sondern muss sich ein paar Pfund zulegen. Der Flughafen ist praktischerweise mit zahlreichen ATMs ausgestattet und nach ein bisschen Gesuche findet sich auch einer an dem nicht schon vier Leute anstehen.

Als nächstes brauchte ich eine Mitfahrgelegenheit richtung Cambridge. Zur Auswahl stehen ein Bus und ein Zug. Der Bus wäre eigentlich besser und früher, aber die Tickets gibt es nur am Schalter und da steht eine sehr ordentliche aber auch ordentlich lange Schlange davor.

Also Zug. Die Fahrkartenautomaten sind genau so mysteriös wie hier, aber es war genug Zeit und schließlich hatte ich die richtige Karte.

Vor der Zugfahrt hatte ich schon ein bisschen Angst, aber das Klischee mit der unsicheren Englischen Eisenbahn kann ich hier nicht bestätigen. Vor allem die Fahrkartenkontrolle wurde sehr gewissenhaft durchgeführt: Erst musste ich die Karte zeigen um auf den Bahnsteig zu kommen. Dann wurde ich im Zug kontrolliert. Und in Cambridge musste ich die Karte in einen Automaten stecken, um den Bahnsteig wieder zu verlassen. Sicher ist sicher.

Am Bahnhof wurde ich dann von Arne in Empfang genommen und es ging per Auto nach St. Ives, nordwestlich von Cambridge. Und ja, die Engländer fahren auf der falschen Seite, auch wenn sie bei dem Thema wohl eher uneinsichtig sind.

Arne wohnt in einem Haus. Es ist so eine Art Reihenhaus an dem noch zwei andere Häuser dran hängen und es ist nicht so groß, wie die Bezeichnung Haus nahe legt, aber es hat alles was es braucht und ist vor allem für englische Verhältnisse extrem gut ausgestattet. Es gibt gescheite Fenster und eine zentrale Gasheizung und es sind sogar Thermostate an den Heizkörpern!

Nach dem Abendessen bezog ich das Büro/Gästezimmer und habe dort ziemlich gut geschlafen.

Am nächsten Morgen wurde erstmal ein ordentliches englisches Frühstück zubereitet Baked Beans, Rühreih, gebratene Champis – you name it. Wenn man den Begriff Frühstück etwas weniger eng sieht kann man das sogar essen.

Den Tag haben wir in Cambridge verbracht. Und es hat ungelogen die ganze Zeit mehr oder weniger geregnet. Also mal hat es genieselt und manchmal geschüttet. Und dann gab es noch jede vorstellbare Regenintensität dazwischen. Und ich will auch gar nicht ausschließen, dass es mal ein paar Minuten nicht geregnet hat, aber nur um dem kalten Dampf Geltung zu verschaffen, der dann vom Pflaster hochstieg. Trotzdem war in der Stadt sehr viel los: Touristen, Einheimische, Studenten. Ein großartiges Durcheinander.

In Cambridge gibt es vor allem zwei Attraktionen:

  1. Die Colleges mit den angegliederten Kapellen, sehr alt und extrem ehrwürdig und stylischerweise von Menschen in schicken Roben bewacht. Oh und der Rasen. Perfekter Rasen. Betreten streng verboten.
  2. Den River Cam nebst Kanälen, auf denen heftig gestakt wird. Entweder man mietet sich ein Boot mit professionellem Staker, oder man versucht es selbst. Was, wie man mir sagte, häufig mit einem Sturz ins Wasser endet.

Punting fand allerdings wegen des Wetters nur sehr eingeschränkt statt.

Die erste gastronomische Pause haben wir in einem Cafe bzw. Tee eingelegt. Sehr englisch, sehr old school und sehr lecker. Auf dem Rückweg gabs dann noch ein Pint in dem Pub, in dem Watson und Crick die DNA-Doppelhelix erfunden haben.

Bemerkenswert ist außerdem, dass es sogar in dem Bus von Cambidge nach St. Ives free WiFi gab!

Am Abend waren wir zuerst im Kino und später noch in zwei Pubs. Zuerst durfen wir den Auftritt der quasi legendären Rockband Jucy Lucy bewundern – die in den frühen 70igern wohl ganz groß war – und ich muss sagen, diese Altrocker verstehen ihr Handwerk. Später waren wir in einem typischen ausgeh  Pup, wo alle möglichen Leute unterwegs waren. Das Klischee sagt, dass die ausgehende Engländerin sich sehr aufreizend kleidet. Ja, was soll ich sagen? Also erstmal großen Respekt für tapferes ingnorieren von widrigen Wetterumständen. Ich habe in dicker Winterjacke, ordentlichen Jeans und festen Schuhen ein wenig gefroren. Und da waren Frauen unterwegs, die waren quasi nackt, also wenigstens was die wärmende Funktion ihrer Kleidung angeht. Allgemein kann man sagen, dass die ausgehende Engländerin selten hochgeschlossen daher kommt und dass sie generell möglichst viel Bein zeigt. Deswegen hören die meisten Röcke auch da auf, wo die Beine anfangen. Plusminus zwei Zentimeter. Es gab also reichlich zu gucken.

Am Sonntag waren wir dann in London, um Felix bei der Auflösung seines WG-Zimmers zu unterstützen. Die Einlagerung eines kleinen Hausstandes in so ein Mietlager, wie ich es vorher nur aus Filmen kannte, war auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung. Ich hoffe mal, das Arne den Schreibtisch wieder zusammenbekommen hat, den ich zerlegt habe…

Dann wurde es aber doch noch spannend. Gegen drei kam der Aufgeregte Anruf von meinen Eltern. Es war wieder Asche in der Luft und die hatte sich ganz heimtückisch von Westen her über den Atlantik und Südeuropa bis nach Oberbayern vorgearbeitet und schließlich die Sperrung des Münchner Flughafens veranlasst. Wenn man die Strecke bis nach Island zum Maßstab nimmt, liegen München und Nürnberg quasi direkt nebeineinander. Deshalb ging ich schon fast davon aus, noch mehr Zeit auf dieser seltsamen Insel verbringen zu dürfen. Aber Eyjafjallajökull hatte ein Einsehen und die Asche hat Franken verschont, so dass meine Rückreise genau so reibungslos verlief wie die Hinreise, wenigsten sobald sich Arne durch den Londoner Verkehr bis auf die M11 durchgekämpft hatte.

Alles in Allem ein sehr schönes Wochenende – eine Wiederholung ist durchaus denkbar!