Zweierbob

Kürzlich habe ich über olympische Randsportarten wie Curling berichtet. Heute geht es um eine zu unrecht völlig unumstrittene Wintersportart, den Zweierbob. Das gleiche gilt sinngemäß auch für den Viererbob, aber der ist erst nächste Woche dran.

Gestern habe ich also Zweierbob geguckt. Es gab Gold für Deutschland und ich war begeistert. Allerdings muss ich bei genauerer Betrachtung zugeben, dass mir nicht ganz klar ist, warum eigentlich. Zum zugucken ist diese Sportart nämlich höchst ungeeignet. Man muss schon ein ausgesprochener Experte sein, um zu erkennen, dass der Bob aus Russland in Kurve 14 etwa 20 cm zu tief war und dabei die 5 Millisekunden verspielt hat, die für eine bessere Plazierung notwendig gewesen wären. Alle zehn Schlitten tut uns einer den Gefallen und lenkt so dämlich in die Bande, dass man das sogar als Gelegenheitsgucker mitkriegt. In Wirklichkeit ist das einzige, was beim Zweierbob für Spannung sorgt die Zeit, die unten mittläuft. Alle par Sekunden gibt es eine neue Zwischenzeit, die erkennen läßt, ob der aktuelle Schlitten schnell oder langsam unterwegs ist.

Die Fernsehübertragung der eigentlichen Fahrt könnte man sich tatsächlich schenken. Es würde reichen, als Vollbild die Zeit und die Landesfarben des aktuellen Bobs einzublenden, mit allen Zwischenzeiten. Das wäre genauso spannend und ironischerweise genauso spektakulär und die ganzen Kameramänner müssten nicht im Schee stehen und frieren. Wenn man sich aber das Filmen schenken kann, muss man darüber nachdenken, ob es denn überhaupt nötig ist, zu fahren. Ist ja nicht ganz ungefährlich, so schnell durch einen Eiskanal zu rasen.

Vieleicht könnte ja ein Zufallsgenerator die Zeiten liefern. Dann könnte man auch den Kommentator und die Presenter und Experten sparen und stattdessen Musik spielen. Ich glaube, dass würde völlig reichen: Dramatische Musik, laufende Zeiten mit mikrosekundengenauen Zwischenzeiten, neben animierten Flaggen, und am Ende Gold für Deutschland! Ich bin mir ziemlich sicher, ich würde einschalten!

2 Responses to “Zweierbob”

  1. Arne says:

    Großartig! (-:
    Tut mir leid, dass Du krank warst. Aber für Dein Weblog ist es ja ein Glücksgriff, dass Du viel Zeit vor den Fernseher verbracht hast.
    Falls Du nicht ohnehin schon wieder fit bist: Gute Besserung!

  2. Torsten says:

    So das Tuberkelchen noch quält: Gute und auch Besserung!

    In Anlehnung an deinen luziden Bericht vom Bordercrossing: Wie wärs mit Bobfahren mit Bahnen für mehrere Bobs gleichzeitig wie bei jedem anständigen Rennsport auch? Oder wenigstens wie beim Rallyerennen keine hochgezogenen Kurvenränder, damit wird auch unbeleckten Zuschauern (wie mir) deutlich, wenn die Jungs (und Mädels) die Kurventechnik verhauen. Yihaaah!

    “Always remember, your bones will not break in a bobsled. No, no, no. They shatter.” – “Cool Runnings”

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