Der letzte Fall des Inspector Brown

Inspector Brown saß auf dem Klo und dachte nach. Auf dem Klo konnte er am besten nachdenken. Und das Scheißhaus vom 42. Department hatte genau die richtige Atmosphäre dafür. Ispector Brown saß also auf dem Topf im 42. Department und dachte über die mysteriösen Todesfälle nach, an deren Aufklärung er arbeitete. Den Zusammenhang mit vor einigen Tagen verendeten Ratten konnte er natürlich nicht herstellen. Das war nur als Randnotiz in einem der unzähligen schmierigen Lokalblättchen erwähnt worden und selbst wenn Ispector Brown das gelesen hätte, hätte er den Zusammenhang nicht erkannt. Inspector Brown hatte nämlich keine Fantasie. Er war ein guter Cop, keine Frage. Trotzdem, oder vielleicht sogar gerade deswegen. In neun von zehn Fällen liegt der Fall nämlich genau so, wie er aussieht. Fremdgehende Ehemänner werden von ihren eifersüchtigen Frauen ermordet, Dealer von Konkurrenten oder Kunden, Prostituierte von ihren Freiern. In solchen Fällen kam es nur darauf an mit Geduld und Verbissenheit die Beweise zu finden. Und es gab immer Beweise. Für solche Fälle war Inspector Brown genau der Richtige. Aber dieser Fall war anders.

Der erste war ein alleinstehender Rentner. Als die Putzfrau am Montag morgen seine stinkende Leiche im Badezimmer fand, hätte sich niemand etwas besonders dabei denken müssen und es war Zufall, das der junge unerfahrene Arzt es ganz genau nahm mit der Ausstellung des Totenscheins. Die Autopsie ergab, dass der alte Sack an schweren inneren Blutungen gestorben war. Etwas hatte seinen Darm und andere innere Organe völlig zerfressen. Gift? Eine Krankheit? Ein Parasit? Die Quacksalber konnten es noch nicht sagen. Inzwischen waren noch mindestens vier weitere Fälle hinzugekommen. Eine Kellnerin lag in ihrer Badewanne. Einen Geschäftsreisenden hatte es in seiner Absteige erwischt. Ein Penner wurde tot in der Bahnhofstoilette gefunden und, besonders tragisch, ein kleines Mädchen auf der Toilette ihrer Schule. Es schien nur zwei Gemeinsamkeiten zwischen allen Fällen zu geben: Immer starben die Opfer im Badezimmer und immer passierte es im Zuständigkeitsbereich des 42. Departments.

Während Inspector Brown also saß und grübelte, war der Lösung des Falles näher als er ahnte. Oder sollten wir sagen, dass die Lösung ihm näher war, als er ahnte.

Es war länglich, fahl weiß und sehr beweglich. Es folgte seinem Instinkt und arbeitete sich nach oben. Lautlos schlängelte es sich durch den Siphon. Dann tauchte es unter Inspector Brown auf, der gerade genüsslich furzte. Hätte es ein Gesicht gehabt, hätte es zufrieden gelächelt, bevor es sich zusammen krümmte und mit aller Kraft sprang.

Inspector Brown wollte schreien, als er spürte, wie etwas kaltes, glitschiges von unten in ihn eindrang. Aber der entsetzliche Schmerz und das schnell wirkende Nervengift des Eindringlings hinderten ihn daran. Er schaffte es nicht mal mehr, von der Toilette aufzustehen. So musste es sich nur erschöpft ins Wasser zurückfallen lassen, nachdem es sich satt gefressen und seine Eier abgelegt hatte. Inspector Brown würde diesen Fall nicht mehr aufklären. Aber er würde einer neuen Generation von Arschkriechern als erste Mahlzeit dienen. Inspector Brown war ein guter Cop.

3 Responses to “Der letzte Fall des Inspector Brown”

  1. Chris says:

    Das ist ja ekelhaft. Aber gut.

  2. Arne says:

    AKte X lässt grüßen… ;-)

  3. doro says:

    mehr blut!

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