Wieder mal hat ein verzweifelter Junge auf spektakuläre Weise Selbstmord beganngen. Er stürmte bewaffnet seine ehemalige Schule, hat um sich geschossen und sich schließlich selbst getötet. Warum er das getan hat, liegt auf der Hand. Killerspiele haben ihn dazu animiert. Killerspiele müssen endlich verboten werden, damit die Kinder an unseren Schulen wieder sicher sind.
Früher war alles besser. Damal gab es keine Killerspiele. Und Kinder liefen nicht Amok sondern sprangen einfach von Brücken oder vor Züge oder nahmen Mamas Schlaftabletten, wenn sie verzweifelt waren. Also liegt es an den Killerspielen, oder?
Das ist ein cum hoc ergo propter hoc Trugschluss. Beide Phänomene haben vermutlich vielmehr eine gemeinsame Ursache: Die Präsenz von Gewalt in den Medien. Killerspiele Egoshooter sind nur eine Ausprägung dieser Präsenz. Aus den Medien lernen potentielle Amokläufer folgendes:
- Waffen verleihen Macht.
- Gewalt erzeugt Aufmerksamkeit.
Beides kommt nicht in erster Linie aus Computerspielen, sondern aus den Nachrichten, aus Filmen, Büchern und Comics.
Ich kann nicht ausschließen dass Egoshooter bei Amokläufen eine Rolle spielen. Aber die entscheidenden Dinge passieren nicht am Computer sondern in der Realität. Alle Amokläufer besorgen sich Waffen. Echte Waffen. Sie verkleiden sich. Sie posieren und machen Fotos. Sie schlüpfen in eine Rolle.
Unter Umständen stammen Elemente dieser Rolle aus Computerspielen, aber nicht die entscheidenen: Es gibt keine Amokläufer im Computerspiel. In keinem Spiel geht es darum Unbewaffnete zu jagen und zu ermorden. Der Reiz der Spiele liegt im Kampf gegen (fast) ebenbürtige Gegner.
Könnte ein Verbot von “Killerspielen” Amokläufe verhindern? Genausowenig, wie das Verbot von Kinderpornographie den sexuellen Mißbrauch von Minderjährigen verhindert. Gefährdete Jugendliche würden weiterhin Mittel und Wege finden, an diese Spiele zu kommen, genau so wie sie immernoch Mittel und Wege finden sich zu bewaffnen.
Ein Verbot wäre Steuergeldverschwendung. Besser wäre es, frustrieten Jugendlichen Perspektiven zu bieten. Zum Beispiel bei der Bundeswehr, in Afgahnistan.
Und wo wir jetzt den Ernst schon mal ein bisschen bei Seite haben gibts noch ein nettes Zitat zum Thema:
Statistisch können wir leider mit so geringen Fallzahlen in Deutschland nicht arbeiten
(Psychologe J. Hoffmann, TU Darmstadt. Quelle: Spiegel-Online).