Freitag Nachmittag, die Arbeitswoche war zuende. Normalerweise wäre ich nun auf eben dieser Couch versackt, auf der ich in diesem Moment tippenderweise sitze. Doch dieses Wochenende sollte ein besonderes werden und deshalb fing ich an zu packen. Nachdem alles im Koffer war, kam der feierliche Moment: Vorsichtig, fast zärtlich hohlte ich die Ski aus der Kellerecke.
Dann ging die Fahrt zunächst nach München. Dort machte Wirzi großartigen Kaiserschmarrn zum Abendessen. Als Einstimmung sozusagen. Wir gingen früh schlafen, denn schon um fünf Uhr nachts klingelte der Handywecker. Als gegen sechs Uhr die ersten Frühaufsteher aus den Bettchen krochen, waren wir schon auf der Straße (machts gut ihr Trottel, bzw. NARREN!).
Die Fahrt ging durch Österreich und über den Brenner nach Südtirol, Italien!
Es war noch dunkel und es war Schneesturm! So kamen wir nicht so schnell voran, wie geplant, aber den Stau konnten wir austricksen und gegen zehn standen wir in St. Ulrich, oder Ortesei, wie die Einheimischen es nennen, an der Gondel.
Es schneite immernoch heftig also setzte ich mir unter erschwerten Bedingungen (im Auto) Kontaktlinsen ein. Bei der Linken ging was schief, vermutlich war die falschrum. Aber ein scharfes Auge ist bei Nebel völlig ausreichend.
Leider gingen dann noch mindestens 15 kostbare Skiminuten drauf, weil man zum Kauf eines Mehrtagesskipasses mit mehreren Rolltreppen bis ins Stadtzentrum vordringen musste (und zurück).
Aber der lange Weg auf die Piste hatte sich gelohnt. Das Skigebiet, Dolomiti Superski, ist megaloman. Alleine vier große Skigebiete sind über die Sella-Ronda miteinander verbunden: 500 Pistenkilometer und 200 Liftanlagen. Mit dem Skipass sind insgesamt 12 Skigebiete zugänglich.
Es schneite und war nebelig, aber das Skigebiet war weitgehend leer und wir konnten super fahren. Das Vergnügen war groß.
Am frühen Abend bezogen wir unser Quartier, das Hotel Garni Mariandl. Die Wirtin war sehr nett, aber etwas umständlich. Sie fragte uns ein duzend mal, ob wir eine Rechnung bräuchten und ob sie die gleich ausstellen sollte. Als wir beides heftig verneinten notierte Sie die wichtige Tatsache, dass wir bar bezahlt hatten mindestens vier mal auf der provisorischen Quittung (Gibts die eigentlich noch? Das glaubt uns doch sonst keiner!). Nebenbei erwähnte sie noch, dass sie Berlusconi gut findet (‘Der isch mit die kleine Loite’). Eine Mischung aus Höflichkeit und Entsetzen hinderte mich an jedem Kommentar.
Dann gab sie uns noch den Tipp in einem Restaurant Namens La Terrazza, bei der großen Kirche, essen zu gehen.
Mit viel Glück erwischten wir noch eine Platz und fanden uns in einem gewaltigen, lauten Chaos wieder. Sämtliche Tische um uns rum wurden unter großem Hallo und viel Gedränge ständig neu besetzt. Die Küche war nicht besonders toll, auch nicht besonders teuer immerhin, und ließ sich vom Chaos noch anstecken. Irgendwann waren wir doch alle satt und froh, wieder draußen zu sein.
Sonntags war auf der Piste schon mehr los. Es schneite kaum und die Sicht war deutlich besser. Wir starteten in St. Christina und fuhren einmal um die Sella-Gruppe. Trotz des Andrangs bildeten sich dank der riesigen Kapazitäten kaum Schlangen an den Liften. Am Montag, dem berüchtigten dritten Tag und gleichzeitig dem berüchtigten letzten Tag (doppelter Todesfetisch), gingen wir es ruhiger an und blieben in der Gegend. Highlight des Tages war die 10,5 km lange Abfahrt von Seceda nach St. Ulrich, die wir einmal fast ohne Pause absolvierten.
Aber jetzt komm ich mal zum Thema: Kaum fährt der Wirzi selber ordentlich Ski, zeigen sich bei ihm erste Anzeichen von Intoleranz gegenüber Skifahrern, die es (noch) nicht so drauf haben und ihm im Weg ‘rumeiern’
.
Gegen Typen, die zehn Sekunden Vorlauf und ihre sämtliche Willenskraft für jede Richtungsänderung benötigen, hilft in der Tat nur eins: So schnell fahren, dass man sie in guter Nährung als stehende Hindernisse betrachten kann
. Probleme gibt es aber wenn unglücklicherweise zwei von der Sorte auf Kollisionskurs geraten. Dann gibt es Omelett!
Ach ja, natürlich hätte ich gerne ein paar Fotos gezeigt, aber mein Knipser hat leider totalverweigert und bisher habe ich auch von meinen Mitreisenden noch keine Bilder bekommen (winkt mit einem kleinen Zaun).
[...] vor kurzem angedeutet hat mich meine Sony W1 Digitalkamera in letzter Zeit immer öfter im Stich gelassen. Vor [...]