Archive for the ‘Politik’ Category

Genial, der Schäuble!

Thursday, September 20th, 2007

Das muss man ihm lassen, jetzt hat er’s fast gepackt. Mit seiner sicherlich wohlüberlegten Provokation, dass ein Anschlag mit nuklearem Material nicht zu verhindern sei und man die Tage bis dahin am besten in Ruhe genießen sollte hat er heute im Bundestag einiges Entsetzen ausgelöst.

Vor allem die Koalitions-Genossen gingen ordentlich auf ihn los. Leider haben sie ihn nur fast dazu aufgefordert alles zu tun, was nötig ist um diese Anschläge zu verhindern. Onlinedurchsuchungen und Bundeswehrstreifen in deutschen Innenstädten wären doch gute Maßnahmen für den Anfang.

Da gegen ist der Verteidigunsminister doch ganz harmlos, der sich vom Verfassungsgericht nur nicht verbieten lassen will, entführte Passagierflugzeuge abschießen zu lassen. Das schöne an der Situation ist, dass es garantiert niemals zu so einem Szenario kommen wird.

  • Die Terroristen werden uns nicht auf die Nase binden, dass sie auf Selbstmord aus sind.
  • Sie werden die Zeit zwischen Übernahme des Flugzeugs und dem Absturz kurz halten, schon um einen organisierten Widerstand der Passagiere zu verhindern.

Die Alarmrotte wird also niemals rechtzeitig in die Position kommen, dass eine Abschussentscheidung getroffen werden könnte.

Warum kommt eigentlich niemand auf die Idee, wahrscheinliche Ziele für solche Anschläge zu identifizieren und deren schnelle Evakuierung im Ernstfall vorzubereiten?

Jo, Blondie

Sunday, September 9th, 2007

Kleiner Satz große Wirkung: Eva Herman ist wegen einer unglücklichen Verherrlichung des dritten Reichs vom NDR gefeuert worden. Ob man den Wandel der Gesellschaft von fest gefügten Familienverhältnissen mit klarer Rollenverteilung hin zur doppelverdienenden Schlüsselkind-Patchworkfamilie nur gut finden muss, sei mal dahingestellt. Und ob daran die bösen Hippies der 68iger oder die Antibabypille die Schuldtragen kann man auch diskutieren. Aber ausgerechnet das dritte Reich zum Vorbild zu erklären ist doch ein bisschen sehr dämlich.

Aber vielleicht liege ja auch ich völlig falsch mit der Annahme, dass sich die Mütter im dritten Reich schon in Munitionsfabriken selbst verwirklichen konnten, während ihre kleinen Kinder in Einrichtungen, die wir heutzutage wohl als Terrorcamps im weitesten Sinne bezeichnen müssten, von etwas größeren Kindern zu fanatischen Killermaschinen gedrillt wurden.

Ich hab mal einen herrlichen Werbespot aus den fünfziger Jahren gesehen, in dem es hieß:” Zwei Fragen beschäftigen die Hausfrau von heute: Was soll ich anziehen? Und was soll ich kochen?”. Ich würde mal sagen, das Leben ist seither etwas komplizierter geworden. Kein Wunder also, dass sich das eine oder andere Blondköpfchen in diese seeligen Zeiten zurückwünscht.

Mitleiderregend!

Tuesday, July 3rd, 2007

Achtung, der folgende Beitrag beschäftigt sich auf zynische Weise mit einem sehr ernsten Thema. Es wird um Leben und Tod gehen und ich werde mich darüber lustig machen. Zartbesaitete sollten nach diesem Absatz aufhören und lieber diesem Link folgen um etwas erbauliches zu lesen.

Kann mir mal jemand erklären, was mit diesen ehedem so gruseligen islamistischen Terroristen los ist? Die geben ja ein jämmerliches Bild ab in letzter Zeit! Zwei nicht explodierende Kofferbomben in deutschen Zügen. Zwei nicht explodierende Autobomben in London und dann dieser Mitleid erregende Anschlagsversuch auf den Flughafen von Glasgow.

Erst kommt die Autobombe nicht bis ans Ziel, sondern bleibt an einem Poller hängen (das passiert wohl wenn man seinen Tatort nur per Google Earth auskundschaftet), dann ist die Explosion der Autobombe so mickerig, dass nicht mal die beiden möchtegern Märtyrer dabei umkommen. Stell dir vor du kommst in den Himmel, stehst nackt vor 47 Jungfrauen und alle lachen dich aus…

Im Ernst, es ist doch eigentlich nicht schwer, Terror zu verbreiten. Ich hätte duzende Ideen, aber behalte mal die meisten mal für mich (nicht dass es dann heißt, ich wäre Schuld). Aber zum Beispiel hätten die Terroristen erheblich mehr Schaden anrichten können wenn sie einfach ein paar große Steine von einer Autobahnbrücke geworfen hätten.

Das Schwierigste sollte es sein, Selbstmordattentäter anzuwerben und/oder einzuschleusen. Beides hat offenbar funktioniert. Aber dann scheitert der Terror an falsch zusammengebauten Bomben oder ähnlichen leicht vermeidbaren Fehlern.

Das Problem der Selbstmordattentäterstrategie ist, dass sie vom Typ her eine seltene Kombination aus Genie und Wahnsinn erfordert. Offenbar haben sich die Kandidaten, die verrückt genug sind, sich selbst zu opfern, aber clever genug sind, dass auch effizient umzusetzten schon alle verbraucht.

Oder jemand hat eingesehen, dass man das Internet nicht durch Sperren, Filter und Schnüffelprogramme sicher machen kann, sondern dass man es mit seinen eigenen Waffen schlagen muss. Als effektive Maßnahme gegen den Terror schlage ich vor, das Web mit falschen Bobenanleitungen in arabischer Sprache zu überfluten und dafür zu sorgen, dass die ersten 50 Googletreffer nur solche Seiten verlinken.

Wer weiß, vielleicht hat das ja schon jemand getan…

Populistischer Unfug, Episode 1000 und irgendwas…

Monday, February 19th, 2007

Unser Verkehrsminister plant eine Reform der Kfz-Steuer. Diese soll sich in Zukunft vor allem nach den Emissionen eines Autos richten und nicht mehr nach Hubraum. Und vor allem die CO2 Emissionen sollen ein wichtiges Kriterium werden.

Hallo?

Man kann sicher einen gewissen standartisierten Verbrauchswert Sprit/100 km für ein Fahrzeug ermitteln. Die tatsächlichen Emissionen hängen aber davon ab, wie man fährt und vor allem wieviel man fährt. Um CO2 Ausstoß zu sanktionieren gibt es deshalb nur eine sinnvolle Methode: Den Verbrauch von Benzin zu besteuern. Und das gibts schon. Seit 1994 unter dem schönen Namen Ökosteuer.

Autos, die viel verbrauchen, aber eben auch wenig fahren zu besteuern, bewirkt genau das Gegenteil der urspünglichen noblen Absicht: Wenn ich in Zukunft mal die Umwelt schonen will indem ich statt Auto Zug oder Rad fahre, dann geht das nicht, weil ich ja mein Steuergeld zurückfahren muss.

Sinnvoller wäre ein prozentualer oder fixer Zuschlag auf die Kfz-Steuer, der zweckgebunden in die Subventionierung des ÖPNV und den Ausbau von Radwegen fließt.

Mein Laster

Sunday, February 11th, 2007

Ich trinke kein Alkohol (wenigstens nicht zum Spaß) rauche nicht (aus Prinzip) und halte mich mit Süßigkeiten zurück (meistens manchmal). Ein Laster habe ich aber doch: Ich dusche gerne. Lange. Heiß.

Das ist vermutlich auch die beste Erklärung für meine gerötete Kopfhaut (nicht das billige Shampoo und auch nicht die trockene Luft…).

Jedenfalls hab ich manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir überlege, wieviel gutes Trinkwasser ich so Woche für Woche über meinen Körper fließen lasse. Und dann ist das Wasser auch noch warm. Ich trage also auf eigentlich unverantwortliche Weise zur Klimakatastrophe bei, weil ich vermeidbaren CO2 Ausstoß verursache.

In ein paar Jahren wird deshalb vielleicht sogar jemand sterben. Bzw. ich trage zum Untergang einer kleinen Insel bei. Irgendwo in Fidji oder so.

Konsequenterweise sollte ich also mit dem Warmduschen aufhören…

Vergesst es! Ich will nicht, ich kann nicht und Fidji futschi, Pech gehabt, ist mir doch egal!

Perspektive

Wednesday, February 7th, 2007

Die Fachwelt ist sich wohl einig. Das Klima ändert sich (dramatisch) und die Ursache ist der anthropogene Treibhauseffekt. Alle Politiker sind sich deshalb ebenso einig: Es muss etwas geschehen! Nur das Was? Wann? Wo? und Wie? bleibt noch zu klären.

Nachdem wir für das ob nur wenige Jahrzehnte gebraucht haben, bin ich zuversichtlich, dass wir bis zum Ende des Jahrhunderts mit ersten effektiven Maßnahmen rechnen können.

Auch kleinere perspektivische Verzerrungen sind bis dahin wohl auszuräumen, wie die von US-Energieminister Samuel Bodman. Er meint doch tatsächlich, dass die USA nur einen geringen Anteil am Kohlendioxid-Ausstoß haben. Und er hat ja recht. Dreiviertel oder 75% davon werden außerhalb der USA ausgestoßen.

Verhältnismäßigkeit

Thursday, December 7th, 2006

Die Pläne Killllllerspiele zu verbieten werden immer konkreter. Wer versucht, durch Herstellung oder Vertrieb von Killerspielen, Schulkinder zum Amoklaufen anzustiften soll für ein Jahr ins Gefängnis (Nehmen wir mal an, es gäbe da wirklich einen Kausalzusammenhang, käme ich mir da als fünf Jahre sitzender Raubkopierer ein bisschen verarscht vor).

Gehen wir mal davon aus, dass durch ein Verbot wirklich der eine oder andere Amoklauf zu verhindern wäre (es gibt bisher keine wissenschaftlichen Studien, die das belegen, nur den gesunden Menschenverstand der Politiker). Dann müsste die Politik die Interessen der Millionen unschuldiger Spieler, die diese Spiele aus irgendwelchen Gründen genießen, gegen die Interessen der unschuldigen Amokopfer abwägen. Ist das eine einfache Entscheidung? Ist das Leben der wenigen wichtiger, als der Genuß/Spaß der vielen? Man sollte es wohl annehmen.

Dennoch fassen die Politiker das Thema Rauchverbot mit äußerst spitzen Fingern an. Wissenschaftliche Studien gehen von über 3000 toten unschuldigen Nichtrauchern pro Jahr aus. Die Zahl der Amoktoten in Deutschland ist wahrscheinlich noch nicht mal dreistellig. Insgesamt! (bin grade zu faul das zu recherchieren)

Als nahezu letztes Land in Europa plant Deutschland jetzt eine sehr dürftige Regelung, die nichtmal das Rauchen in Bars verbieten soll. Angeblich aus Sorge um Arbeitsplätze in der Gastronomie.

Die Erfahrungen mit konsequenten Rauchverboten in anderen europäischen Ländern sind eindeutig: Die Leute gehen nicht weniger weg. Die Gastronomie geht nicht zu Grunde. Es gibt keinen Bürgerkrieg. Und schon nach wenigen Monaten hat sich die Gesundheit von Passivrauchern an Arbeitsplätzen in der Gastronomie messbar verbessert.

Ich würde sagen, selten wäre der Erfolg eines Gesetzes so absehbar, wie der eines konsequenten Rauchverbotes! Ob ein Verbot von bestimmten Videospielen Leben retten kann, muss man dagegen nach gegenwärtigem Kenntnisstand als eher unwahrscheinlich betrachten.

Amok an der Schule

Wednesday, November 22nd, 2006

Wieder mal hat ein verzweifelter Junge auf spektakuläre Weise Selbstmord beganngen. Er stürmte bewaffnet seine ehemalige Schule, hat um sich geschossen und sich schließlich selbst getötet. Warum er das getan hat, liegt auf der Hand. Killerspiele haben ihn dazu animiert. Killerspiele müssen endlich verboten werden, damit die Kinder an unseren Schulen wieder sicher sind.

Früher war alles besser. Damal gab es keine Killerspiele. Und Kinder liefen nicht Amok sondern sprangen einfach von Brücken oder vor Züge oder nahmen Mamas Schlaftabletten, wenn sie verzweifelt waren. Also liegt es an den Killerspielen, oder?

Das ist ein cum hoc ergo propter hoc Trugschluss. Beide Phänomene haben vermutlich vielmehr eine gemeinsame Ursache: Die Präsenz von Gewalt in den Medien. Killerspiele Egoshooter sind nur eine Ausprägung dieser Präsenz. Aus den Medien lernen potentielle Amokläufer folgendes:

  1. Waffen verleihen Macht.
  2. Gewalt erzeugt Aufmerksamkeit.

Beides kommt nicht in erster Linie aus Computerspielen, sondern aus den Nachrichten, aus Filmen, Büchern und Comics.

Ich kann nicht ausschließen dass Egoshooter bei Amokläufen eine Rolle spielen. Aber die entscheidenden Dinge passieren nicht am Computer sondern in der Realität. Alle Amokläufer besorgen sich Waffen. Echte Waffen. Sie verkleiden sich. Sie posieren und machen Fotos. Sie schlüpfen in eine Rolle.

Unter Umständen stammen Elemente dieser Rolle aus Computerspielen, aber nicht die entscheidenen: Es gibt keine Amokläufer im Computerspiel. In keinem Spiel geht es darum Unbewaffnete zu jagen und zu ermorden. Der Reiz der Spiele liegt im Kampf gegen (fast) ebenbürtige Gegner.
Könnte ein Verbot von “Killerspielen” Amokläufe verhindern? Genausowenig, wie das Verbot von Kinderpornographie den sexuellen Mißbrauch von Minderjährigen verhindert. Gefährdete Jugendliche würden weiterhin Mittel und Wege finden, an diese Spiele zu kommen, genau so wie sie immernoch Mittel und Wege finden sich zu bewaffnen.

Ein Verbot wäre Steuergeldverschwendung. Besser wäre es, frustrieten Jugendlichen Perspektiven zu bieten. Zum Beispiel bei der Bundeswehr, in Afgahnistan.

Und wo wir jetzt den Ernst schon mal ein bisschen bei Seite haben gibts noch ein nettes Zitat zum Thema:

Statistisch können wir leider mit so geringen Fallzahlen in Deutschland nicht arbeiten

(Psychologe J. Hoffmann, TU Darmstadt. Quelle: Spiegel-Online).

Schlechte Beispiele

Tuesday, October 10th, 2006

Nordkorea hat eine Atombombe getestet. Das ist schlimm. Alle sind schockiert und wütend. Sogar Venezuela, hab ich gelesen. Diese Schlitzaugen! Wie konnten sie nur?

Vor ein paar Jahren haben Indien und Pakistan Atomwaffen getestet. Alle waren schockiert und wütend. Vielleicht sogar Venezuela. Aber es hat, wenn ich mich richtig erinnere, nicht mal ein Jahr gedauert bis sich alle wieder lieb hatten.

Besonders nett finde ich, dass es die Militärdemokratie Pakistan mit ihren starken islamistischen Strömungen bis zum besten Kumpel der USA gebracht hat, nur für ein bisschen Hilfe im Krieg gegen den Terror. Oh, und natürlich hat niemand mehr ein Interesse daran, dass sich die Lage in Pakistan destabilisiert, also würde man alles tun, um die Regierung im Sattel zu halten.

Die Moral von der Geschichte: Atombomben zu testen bringt dir zwar kurzfristig ein paar Scherereien, aber langfristig betrachtet ist es eine tolle Idee.

Ich bin mal gespannt, wie lange die Entrüstung diesmal anhält. Und Iran ist sicher genauso gespannt wie ich.

Die wahren Terroristen

Monday, August 21st, 2006

Vor ein paar Jahren hat mir mein Papa ein Buch geliehen, in dem es um das Scheitern unseres Sozialstaats ging. Den Titel hab ich nicht mehr im Kopf, ist auch egal, jedenfalls wurde unter anderem vorhergesagt, dass mit der Krise des Sozialstaats die Politik nicht mehr davon leben kann, immer mehr soziale Sicherheit zu versprechen, sondern sich eine neue Begründung für den fetten Staat ausdenken muss. Als neues Thema wurde der Schutz vor Terror vorhergesagt. Und tatsächlich entblödet sich jetzt fast täglich ein neuer Politiker genau dazu (Die drehen doch alle am Rad). Heute gelesen in Spiegel-Online:

…in Zügen seien die gleichen Sicherheitsmaßnahmen wie in Flugzeugen nötig. Deshalb sei es sinnvoll, in Zügen Sicherheitsbeamte mitfahren zu lassen – vergleichbar mit den Sky-Marshalls in Flugzeugen.

Angeblich von Norbert Geis (CDU). Da wird eine völlig sinnfreie Behauptung aufgestellt, die dann als Argument für noch größeren Schwachsinn herhalten darf. Züge kann man nämlich schlecht entführen und auf Gebäude abstürzen lassen. Nichtmal mit biologischen Massenvernichtungswaffen. Und was macht ein Rail-Marshal gegen Kofferbomben? Ich stell mir das mal so vor:

st sitzt friedlich im ICE von Dresden nach Frankfurt. Es ist Freitag. Kurz nach Leipzig ist der Zug so richtig picke packe voll und wie es das Schicksal so will, just in diesem Augenblick muss man dringend auf das Bordklo. Sobald die rote WC-Lampe ausgeht, springt man hastig auf und versucht der erste zu sein. “Stehenbleibenoderichschieße! Nimm gefälligst deinen scheiß Koffer mit zum Scheißen, oder bist du lebensmüde?”

Da fühlt man sich doch gleich erheblich sicherer.