Amok an der Schule

Wieder mal hat ein verzweifelter Junge auf spektakuläre Weise Selbstmord beganngen. Er stürmte bewaffnet seine ehemalige Schule, hat um sich geschossen und sich schließlich selbst getötet. Warum er das getan hat, liegt auf der Hand. Killerspiele haben ihn dazu animiert. Killerspiele müssen endlich verboten werden, damit die Kinder an unseren Schulen wieder sicher sind.

Früher war alles besser. Damal gab es keine Killerspiele. Und Kinder liefen nicht Amok sondern sprangen einfach von Brücken oder vor Züge oder nahmen Mamas Schlaftabletten, wenn sie verzweifelt waren. Also liegt es an den Killerspielen, oder?

Das ist ein cum hoc ergo propter hoc Trugschluss. Beide Phänomene haben vermutlich vielmehr eine gemeinsame Ursache: Die Präsenz von Gewalt in den Medien. Killerspiele Egoshooter sind nur eine Ausprägung dieser Präsenz. Aus den Medien lernen potentielle Amokläufer folgendes:

  1. Waffen verleihen Macht.
  2. Gewalt erzeugt Aufmerksamkeit.

Beides kommt nicht in erster Linie aus Computerspielen, sondern aus den Nachrichten, aus Filmen, Büchern und Comics.

Ich kann nicht ausschließen dass Egoshooter bei Amokläufen eine Rolle spielen. Aber die entscheidenden Dinge passieren nicht am Computer sondern in der Realität. Alle Amokläufer besorgen sich Waffen. Echte Waffen. Sie verkleiden sich. Sie posieren und machen Fotos. Sie schlüpfen in eine Rolle.

Unter Umständen stammen Elemente dieser Rolle aus Computerspielen, aber nicht die entscheidenen: Es gibt keine Amokläufer im Computerspiel. In keinem Spiel geht es darum Unbewaffnete zu jagen und zu ermorden. Der Reiz der Spiele liegt im Kampf gegen (fast) ebenbürtige Gegner.
Könnte ein Verbot von „Killerspielen“ Amokläufe verhindern? Genausowenig, wie das Verbot von Kinderpornographie den sexuellen Mißbrauch von Minderjährigen verhindert. Gefährdete Jugendliche würden weiterhin Mittel und Wege finden, an diese Spiele zu kommen, genau so wie sie immernoch Mittel und Wege finden sich zu bewaffnen.

Ein Verbot wäre Steuergeldverschwendung. Besser wäre es, frustrieten Jugendlichen Perspektiven zu bieten. Zum Beispiel bei der Bundeswehr, in Afgahnistan.

Und wo wir jetzt den Ernst schon mal ein bisschen bei Seite haben gibts noch ein nettes Zitat zum Thema:

Statistisch können wir leider mit so geringen Fallzahlen in Deutschland nicht arbeiten

(Psychologe J. Hoffmann, TU Darmstadt. Quelle: Spiegel-Online).

4 thoughts on “Amok an der Schule

  1. Dass es keine Amokläufer in Computerspielen gibt, ist so nicht ganz richtig. Ich erinnere mich an Skizzen zu einem Textadventure, die ich mit einem Mitschüler ungefähr 1987 angefertigt habe. Es hieß „Amok Action“ und war nur deshalb als Textadventure, weil wir keine Grafik programmieren konnten.

    Das Ziel bestand darin sich eine Straße hochzuballern, an deren Ende ein Kernkraftwerk stand, das spektakulär und in suizidär in die Luft zu jagen war. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger „Flucht aus dem Krankenhaus“ wurde es leider nie realisiert…

  2. Das mit Afghanistan ist eine gute Idee: Wo doch die Bundeswehr mit dem KS(S)K endlich wieder eine eigene Totenkopfabteilung hat. Obwohl das mit der Afrikakorpspalme auf dem Panzern wahrscheinlich ironisch gemeint war: Die Aktion da unten ist ein ähnlich großangelegter PR-Stunt wie die damals mit dem Wüstenfuchs.

  3. Es geht bei dem Verbot von „Killerspielen“ ja nicht wirklich darum, das Problem ernsthaft anzugehen. Sondern es ist eine kostengünstige Möglichkeit, die Klientel zu bedienen.
    Das Problem ist, dass ernsthafte Lösungen viel Geld kosten und nicht sehr auffällig sind.
    Das heisst, der tatsächliche Zweck des Verbots, nämlich Publicity, wird erreicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.