Frühstückseier

Sie sind braun oder weiß, mittel oder groß aber vor allem eiförmig. Gewissenhafte Menschen kaufen nur die Bio-Variante oder achten wenigstens auf Freilandhaltung. Hauptsache die Hühner sind glücklich.

Fast jeder den ich kenne ißt ab und zu gerne mal ein Ei zum Frühstück. Doch schon bei der Zubereitung scheiden sich die Geister.

Der eine mag es wasserweich, der andere gerne etwas härter. Für die meisten Leute aber, hat das perfekte Frühstücksei überwiegend festes Eiweiß und weitgehend flüssigen Dotter.

Doch wie kommt man zum perfekten Ei? Inzwischen gibt es sehr gute technische Lösungen in Form von automatischen Eierkochern.

Wenn man aber zwischen Brotbackautomaten, Joghurtmaschinen, Mikrowellen, Fritösen, Waffeleisen, Sandwichtoastern und dem ganzen andern technischen Schnickschack keinen Platz mehr findet für den Eierkocher, dann muss man die Eier auf althergebrachte Weise in einem Topf mit kochendem Wasser zubereiten.

Dazu kenne ich zwei Verfahren. Entweder man legt die Eier in den Topf mit kaltem Wasser und läßt sie, sobald es kocht, noch zwei bis drei Minuten drin. Oder man bringt erst das Wasser zum kochen und gibt dann die Eier hinein.

Die erste Methode hat den Vorteil, dass die gesamte Zubereitungszeit etwas kürzer ist und dass man angeblich auf das Anpieken der Eierschale verzichten kann. Es erfreut sich daher bei praktischen Menschen einer gewissen Beliebtheit. Mir ist das aber viel zu ungenau. Alleine zu entscheiden, ab wann genau das Wasser kocht ist sehr heikel.

Die zweite Methode funktioniert recht zuverlässig sobald man die Kochzeit an den Luftdruck und die Eiergröße angepasst hat. Das berühmte fünf-Minuten-Ei ist allerdings viel zu flüssig. Wahrscheinlich waren die Eier zu Omas Zeiten einfach kleiner.

Endgültig gespalten wird die Republik, wenn es darum geht, wie das Frühstücksei zu öffnen ist. Man unterscheidet Klopfer und Köpfer.

Die Klopfer benutzen ihren Eierlöffel, um die Oberseite (oder Unterseite) des Eis genüßlich weichzuklopfen bevor sie die Splitter nach und nach abpopeln.

Die Köpfer greifen zum Messer, holen kurz aus und trennen mit einem saubern Schlag den Eierdeckel ab.

Ich weiß nicht ob es schon Studien darüber gibt, und ich bin gerade zu faul das nachzugoogeln, aber ich bezweifle ernsthaft, dass Klopfer und Köpfer auf Dauer in Frieden zusammenleben können. Den Köpfern geht das umständliche getue der Klopfer nämlich schwer auf die Nerven, während die Köpfer eine gewisse Brutalität mitbringen, die der gemütliche Klopfer an seinem sonntäglichen Frühstückstisch einfach nicht haben möchte.

Meine Methode die Eier zu öffnen ist eine perfekte Kombination der Nachteile beider Methoden. Zunächst versuche ich durch vorsichtiges Klopfen ein paar Sollbruchstellen zu erzeugen. Dann versuche ich mit viel zu viel Unentschlossenheit das Ei zu köpfen und richte dabei meistens eine gewaltige Sauerei mit dem Eidotter an. Schließlich entferne ich durch sorfältiges Popeln die losen Splitter vom Eierrand.

Übrigens frühstücke ich Sonntags meistens alleine.

Zufall?

17 thoughts on “Frühstückseier

  1. in unseren heimischen druckgefilden kannst du dich eigentlich ziemlich genau darauf verlassen, dass das wasser ca. 100 grad hat wenns blubbert… der siedepunkt sollte also nicht das problem sein… ansonsten halt eben den finger rein und entscheide anhand der größe der brandblase und der lautstärke des von dir ausgestossenen „aua, scheiße ist das heiß“… wer sein frühstücksei weich haben will, sollte aus den von dir beschriebenen gründen nicht köpfen sondern schälen… ansonsten is mir doch recht egal, wie mein gegenüber sein ei quält, solange mir keine vorschriften gemacht werden, wie ich meins zu öffnen habe… eigentlich wäre ein zippverschluss an der eierspitze mal ne geniale geschichte… genetik trifft ingwesen… na wie wärs… ansonsten guten appetit…

  2. Als Ausweg aus dem Klopfer-vs-Köpfer-Dilemma bietet sich das in der Pfanne gebackene Ei an. Daneben hat diese Methode den Vorteil, dass jederzeit Klarheit über den Zustand des Eies besteht. Außerdem kann man das Ei so noch weiter verfeinern, z.B. mit SPECK.

    Es entsteht allerdings mit der Rührei-vs-Spiegelei-Problematik neuer Raum für einen Glaubenskrieg.

  3. Sehr schöner Beitrag, Sebastian. 🙂

    Zum Öffnen des Eis (vielleicht ist das Genitivapostroph gar keine so schlechte Idee? 😉 ) gibt es auch noch die technisch ausgefeilte Variante des (Eiersollbruchstellenverursacher). Ich verwende allerdings noch die gute alte mit-Messer-Köpfen&Sauerei-machen-Variante.

    Was das Kochen betrifft gibt es keine Frage: Ins kalte Wasser legen und dann erst aufkochen ist lächerlich ungenau, völlig indiskutabel! Zum Abkürzen der Zubereitungszeit bei der einzig wahren Zubereitungsmethode (ins kochende Wasser legen) kann ich die Verwendung eines Wasserkochers empfehlen – der macht das kalte Kranewasser flott heiß, was schneller (und angeblich effizienter) ist, als es dem herd zu überlassen. Der kann derweil schon mal den (fast leeren) Topf auf Temperatur bringen.

  4. @Doro:

    ziemlich genau darauf verlassen, dass das wasser ca. 100 grad hat wenns blubbert…

    Hmpffft. Ziemlich darauf verlassen, ca. 100 Grad. Das ist aber keine exakte Wissenschaft.

  5. Da fällt mir noch ein: Sebastian und ich haben seinerzeit im Grundstudium schon unsere Kenntnisse der physikalischen Chemie angewendet, um auszurechnen, wieviel Salz ins Kochwasser muss, um durch die damit verbundene Siedepunkterhöhung den Höhenunterschied unserer beider Kochtsellen auszugleichen.

  6. haaarhaaar… also ein grosses @arne muss hier stehen:

    1. genitivapostroph ist zwar richtig, aber du bist trotzdem ein kruemelkacker…

    2. das mit der verkackten verlinkung habe ich noch mitbekommen und lache mir ins faeustchen – hatte mir doch herr f. vor kurzem noch die phrase um die ohren gehaun, er koenne wenigstens (im gegensatz zu mir) in kommentaren ordentlich verlinken hoarhoar…

    3. wenn du mir hier schon mit wissenschaft kommst, so wollen wir doch einmal festhalten, dass es beim eierkochen nur um die denaturierung von protein geht… dazu sind nicht exakt 100 grad notwendig… das macht die sache ungenau?… noe beim festlegen des eierkochtopfs (kt= konst. :-)))))) und benutzung derselben kochplatte (T (maaan ich habe noch nichmaln sz auf der tastenuschi wo soll ich denn en theta hernehmen?)= konst.) und dem kauf der bioeier groesse M (V= biol. konst.) kann man so die begehrte eikonsistenz bei einer kochzeit von 2.5 min bei eiablage in kaltes wasser erreichen… wenn man an einem parameter dreht weil man in die pampa (regensburg) zieht oder in den urlaub faehrt oder auf einmal mit gas kocht, muss man das natuerlich beruecksichtigen…

    4. deinen letzten kommentar liest du nochmal durch… salz im wasser setzt den siedepunkt naemlich runter (genauso wie den schmelzpunkt, deshalb streut man auch salz im winter)… das gleiche passiert bei nachlassendem luftdruck auf hoehen… natuerlich kannst du mit salz den siedepunkt angleichen dann aber nur deshalb weil du das potenzial runterschraubst und nicht hoch… ihr haettet dann beide wasser was unter 100 grad siedet… kleine anmerkung DAS ist der grund, wieso man nudelwasser erst beim kochen salzt, da nudeln zum weich werden wirklich ca. 100 grad benoetigen und salz eben diesen siedepunkt verfaelscht… phu wie war das physik fuer biologen waere masochismus arne? nicht runterfallen da 😛

  7. @Doro, Punkt 4.

    Noe, das sehen Prof. Atkins und ich ein bisschen anders. Gelöstes Salz stabilisiert die flüssige Phase. Es erniedrigt den Schmelzpunkt _und_ erhöht den Siedepunkt. Niedriger Luftdruck verringert den Siedepunkt, weil er die Gasphase begünstigt. Also kann ich in der Höhe durch Zugabe von Salz meinen Siedepunkt wieder auf 100° C hochziehen. Man braucht allerdings so ca. 100g Salz pro grad und Liter…

  8. wow, ich bin entsetzt, dass ich jahrelang völlig überzeugt von ner falschen geschichte war… aber moment gerade die nudelwasserproblematik hatte ich im grundstudium chemie… ich bin gerade in einem chemieforum unterwegs gewesen, wo diese frage heiss diskutiert wurde… irgendwie gabs für beide seiten tolle wissenschaftliche erklärungen… ich bin gerade etwas verwirrt und in meinen grundfesten erschüttert… oh gott ich bin ein nudelfalschkocher!!! … ich verbeuge und entschuldige mich demütigst…

  9. Oh, es gab also auch im Forum eine Tendenz in Richtung Siedepunktserhöhung?

    Ansonsten wäre das ja auch kein besonders schwieriges Experiment…

    Aber wenn ich noch an irgendwas glaube, dann an den Atkins!

  10. @ST: Richtig, Atkins rulez! 😉

    @Doro:
    zu 1.: Ich verstehe nicht, was Du mit „genitivapostroph ist zwar richtig“ meinst. Kannst du das erläutern?
    zu 2.: Ich hatte seinerzeit geschrieben, dass ich eine Verlinkung immerhin meistens hinbekomme, im Gegensatz zu Dir: Du hast nicht einmal den Mumm es zu versuchen.
    zu 4.: Man kann sich ja mal täuschen und normalerweise würde ich das dann nicht so unter die Nase reiben, aber ob des von Dir angeschlagenen Tons:

    HAHAHA!

  11. grins das hat aber gedauert…

    zu 1. ich fand die verbesserung des „des eies“ einfach bissel pedantisch…
    zu 2. wenn sebastian mich endlich mal aus seiner zu moderieren kiste rauslassen würde, würdest du sehen dass ich das sehr wohl hinbekomme und zwar beim ersten versuch…
    zu 3. ok das hab ich wohl verdient 😀

  12. @Doro zu 1.: Da hast Du mich gründlich missverstanden. Ich hatte damit nichts verbessert. Da gab es ja auch nichts zu verbessern.
    Der Genitiv zu Ei ist wahlweise „des Eies“, wie Felix es so schön verwendet hat, oder „des Eis“. Genitivapostroph wäre im Deutschen natürlich (noch) nicht richtig („des Ei’s“ ist pfuibahfalschgehtsonichtböserenglischereinfluss). Mit meiner Anmerkung zum Genitivapostroph wollte ich nur darauf anspielen, dass ich 1. die Form „des Eis“ leicht irritierend finde, da es so sehr nach der festen Phase von Wasser klingt, und 2. zumindest den Reiz sehe, der in der Erhaltung der Nominativform des Substantives durch Verwendung eines per Apostroph abgetrennten Genitiv-s‘ liegt.

  13. @Arne: Es gibt Fälle, in denen auch im Deutschen ein Genitivapostroph zulässig ist. Ich würde wetten, dass des Eis (oder des Ei’s) dazu zählt.

  14. @Chris: Ich glaube, „zulässig“ ist das Genitivapostroph inzwischen immer, wenn Du einen historisch herausragenden Namen hervorheben („Ohm’sches Gesetz“) oder Missverständnisse vermeiden willst („Andrea’s Tasche ist weg“ vs. „Andreas Tasche ist weg“). Ich kann es leider im Augenblick nicht genau nachschauen, da unser Onlineduden gerade offline ist.
    Womöglich gibt es auch für Genitivapostrophe schon so eine Wischiwaschi-Regelung (im Sinne von „Und im übrigen können Apostrophe wie Kommata von den Regeln abweichend gesetzt und verwendet werden, wenn der Autor denkt, dass sein Text dadurch besser lesbar wird“). Aber wenn wir mal eine potentiellen Sanktionierung durch eine sozusagen Freibrief-Regelung dieser Art ausschließen: Ich würde mit Dir um ein Eis beim Natale wetten, dass das Ei nach den aktuellen Regeln kein Genitivapostroph bekommt. (Das Angebot zur Wette gilt aber nur unter der Voraussetzung, dass Du erst mal einen Beleg für das Genitivapostroph beim Ei zeigen musst, immerhin ist kein Apostroph beim Genitiv ja der Standardfall und gilt bis auf Gegenbeweis auch für das Ei.)

  15. AFAIK ist die Regel: Bei Eigennamen kann der (oder das?) Apostroph verwendet werden, um Verwechslungen zu vermeiden. Beispiel: „Andrea’s irgendwas“. Wobei das Ei ja kein Name.

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