Eine kleine Süßigkeit

Aufhören ist leicht. Alfons hatte schon hundertmal aufgehört. Nicht wieder anfangen war das Problem.

Er hatte es sich in seinen Lieblingssessel bequem gemacht, was in demselben eine gewisse Spannung erzeugte, und ignorierte den Fernseher, in dem gerade eine etwas korpulente Frau mit grell gefärbtem Haar und leicht hysterischer Stimme über geschmackvolle Inneneinrichtung dozierte.

Alfons dachte an, beziehungsweise träumte von Schokolade. Nur ein einziges Stück! Dieses leise Knistern der Silberfolie, das satte, zweifache Knacken, wenn er es aus der Tafel brechen würde. Dieser Duft, betörend süß und bitter zugleich. Und schließlich jener glorreiche Moment, in dem er es in den Mund nehmen würde, in dem sich dieses Glücksgefühl von der Zungenspitze ausgehend in seinem ganzen gewaltigen Körper ausbreiten würde. Wellen der Wohligkeit, die bis in die Fingerspitzen wabern und wieder zurück. Alfons bekam Gänsehaut bei dem Gedanken und seufzte leise.

Aber er hatte es ihnen versprochen, ja sogar geschworen! Nichts Süßes bis Ostern. Es wäre seine letzte Chance, hatten sie gesagt. Und er hatte ihnen alles mitgeben müssen, was er im Haus hatte.

Fast eine ganze Woche hatte er jetzt schon durchgehalten. Dafür hatte er sich ja wohl eine kleine Belohnung verdient. Nur eine ganz kleine Süßigkeit. Niemand würde es je erfahren.

„Wir wissen beide, dass es nicht bei einer einzigen bleiben wird“, warnte ihn sein Gewissen. Doch Alfons hatte sich schon hochgewuchtet und war auf dem Weg zum Bücherregal. „Was soll’s, Aufhören ist ja leicht“, sagte er laut zu sich selbst, als er den ausgehöhlten Almanach aufschlug, in dem er die Pralinen versteckte.

One thought on “Eine kleine Süßigkeit

  1. blöde suchtmittel, armer alfons ich kann ihm gut nachfühlen… nur dass ichs nicht so leicht verstecken kann wenn ich heimlich *räusper* und so… man riecht das nämlich *bäks*… blöde sache das 🙁

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