Mein modernes Möbelmarkt Märchen – Teil 1

Es war einmal, und ist doch noch gar nicht so lange her, da gab es hoch im Norden ein großes Königreich mit stolzer Geschichte, das von ausgedehnten Seen inmitten undurchdringlicher Wälder bedeckt war. Diese Wälder waren die Heimat von somanch sonderbarer Art, wie Trollsteinern, Kubolden, Baumschraten, Irrwichtern, Gnomlingen, Bärfiesen, und Wichtelflinken. Sie alle lebten trotzt ihrer merkwürdigen Eigenheiten in anscheinender Eintracht miteinander und gingen den Menschen wo immer möglich aus dem Weg. (Die Menschen ihrerseits hatten es sich zur Gewohnheit gemacht, die seltsamen Gestalten ihrer eigenen Fantasie zuzuschreiben und waren fast Ausnahmslos in der Lage diese völlig zu ignorieren, selbst wenn sie ihnen begegneten. )

Doch heute ist dieses Königreich vor allem für eine Kette von Einrichtunghäusern bekannt, die praktische und elegante Möbel zu sehr günstigen Preisen in Alle Welt verkauft. Die Wälder haben ihren Zauber verloren und sind größtenteils zu Baumplantagen geworden, die dieser Kette den Rohstoff für die beliebten Möbel liefern.

Und was ist aus den vielen Fabelwesen geworden? Nun, viele kamen mit der neuen Situation nicht zurecht, vor allem die Bärfiesen, die schon in uralten Fabeln Sturheit und Beharrlickeit verkörperten. Einige haben aber eingesehen, dass sie mit der Zeit gehen müssen und haben sich feste Jobs gesucht. Die meisten von denen arbeiten, natürlich, für besagte Möbelkette.

Sicher fragt ihr euch, woher ich das weiß. Nun, das begab sich folgendermaßen:

Erstes Kapitel – Ein unheimlicher Verdacht

Wie viele Leute in meinem Alter, habe auch ich die günstigen Angebote des besagten Unternehmens gerne in Anspruch genommen. Und ich habe es nicht geschafft, mich mit der Schreiberei über Wasser zu halten, indem ich jemals gratis Bleistifte ausgeschlagen hätte. Ihr wisst sicher, wovon hier die Rede ist.

Im selben Maße, in dem sich meine Einrichtung mit der Zeit vervollständigte, gewöhnte ich mich an die Annehmlichkeit, an jedem Fleck in meiner Bleibe einen kleinen Bleistift in Reichweite zu haben, falls es mir in den Sinn käme einen Gedanken zu notieren.

Doch irgendwann ging mir auf, dass sich die Zahl dieser Bleistifte mit der Zeit verringerte, obwohl ich nicht gerade selten mit frischer Beute aus der nächstgelegenen Möbelfiliale zurückkehrte. Zunächst schenkte ich diesem Umstand keinerlei Bedeutung. Ich bin ja nicht gerade für meine Ordnungsliebe berühmt geworden. Aber dennoch wuchs ein leiser Zweifel in mir heran, der mit der Zeit immer nagender wurde.

Eines Tages hielt ich es nicht mehr aus und durchsuchte in aller Gründlichkeit meine Wohnung um sämtliche Bleistifte zusammen zu sammeln, die sich noch darin fanden. Es waren ganze neun. Nach einer sehr fundierten Schätzung, die ich sogleich anstellte, hätten es wenigstens dreißig sein müssen.

Diese Diskrepanz war so verblüffend, dass ich nicht umhin konnte, der Sache nachzugehen. Also machte ich mich sogleich auf den Weg, um einen Küchenrollenhalter ‚Kroken‘ und sieben weitere Bleistifte zu beschaffen. Alle sechzehn Bleistifte versah ich mit einer unauffälligen Markierung und verteilte sie wieder in meiner Wohnung.

In den folgenden Tagen machte ich es mir zur Angewohnheit, abends vor dem zu Bett gehen die Vollständigkeit der markierten Stifte zu kontrollieren. Bereits nach zwei Tagen musste ich den Verlust von zweien zur Kenntnis nehmen, die in der Küche und auf der Fensterbank im Wohnzimmer deponiert gewesen waren.

Ich muss zugeben, dass mich diese Entdeckung, obwohl ich sie nicht ganz unerwartet machte, zutiefst beunruhigte, ja geradezu um den Schlaf brachte. So kam es wenige Tage später, dass ich nach einigen Stunden nervösen Halbschlafs aufstand um einen Schluck Wasser zu trinken. Als ich im Gang das Licht einschaltete, meinte ich einen kleinen Schatten in meinem Schreibzimmer verschwinden zu sehen. Ich ging sofort hinterher um den kleinen Raum gründlich zu durchsuchen, kehrte aber ohne Erfolg in mein aufgewühltes Nachtlager zurück und schrieb die Erfahrung meinem nervösen, übernächtigten Zustand zu.

Doch gleich am nächsten Morgen sah ich nach meinen Bleistiften und als drei weitere fehlten, allein zwei aus der Schreibstube, war mir klar, dass meine übermüdeten Sinne mir keinen Streich gespielt hatten.

Meine Verwirrung wandelte sich schnell in gerechte Wut. Irgendjemand, oder Etwas, drang nachts in meine Wohnung ein um meine Bleistifte zu stehlen. Ich sann auf Rache!

2 thoughts on “Mein modernes Möbelmarkt Märchen – Teil 1

  1. Nicht direkt. Diesen Post habe ich auf beiden Versionen meines Blogs eingestellt.

    Dein erster Kommentar ist auf der alten, dieses hier spielt sich auf der neuen ab.

    Bis Chris das Geflacker abstellt, ist es wohl zufall bei welcher man landet.

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