Restrisiko

„Durch Fukushima hat der Begriff Restrisiko eine neue Bedeutung erhalten.“ Sagt die Kanzlerin.

Nö, sag ich.

Restrisiko heißt nach wie vor: Es ist sehr unwahrscheinlich aber es kann passieren.

Und Murphy sagt, was schief gehen kann geht schief. Also passiert es irgendwann. Und jetzt ist es passiert. Große Überraschung.

Die Frage ist doch nur, ob man im Ernstfall bereit wäre mit den Konsequenzen zu leben.

Offenbar nicht.

Die Alternative ist ein höherer Preis für Strom. Vielleicht. Im schlimmsten Fall. Wahrscheinlich nur vorübergehend.

Leichte Entscheidung – oder?

Schwierig wird es wenn man den Weg und das Ziel durcheinander bringt:

Will man Wahlen gewinnen um zu regieren, oder regiert man um Wahlen zu gewinnen?

Wenn der moralische Kompass fehlt verliert man leicht die Orientierung. Man dreht sich im Kreis und kommt nicht mehr voran.

Und braucht sich nicht wundern wenn einem keiner mehr folgt.

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6 thoughts on “Restrisiko

  1. Sehr richtig, Sebastian!

    Dass die Bundesregierung die Sicherheitslage deutscher AKWs nach Fukushima anders einschaetzt als vorher kann eigentlich nur durch einen der folgenden drei Umstaende erklaert werden:
    a) Sie hatte vor Fukushima nicht ueber die Sachlage nachgedacht.
    b) Sie hat nach Fukushima nicht ueber die Sachlage nachgedacht.
    c) Sie denkt eh nie ueber die Sachlage nach (sondern macht z.B. immer gerade das, was vermeintlich gut beim Wahlvolk ankommt o.ae.).
    Denn geaendert hat sich durch Fukushima an der Sicherheitslage fuer deutsche AKWs nichts.
    Leider ist keine der drei Erklaerungsmoeglichkeiten besonders vertrauenserweckend.

    Ach, und zu „Will man Wahlen gewinnen um zu regieren, oder regiert man um Wahlen zu gewinnen?“ muss ich noch sagen: Koestlich! 🙂

  2. hm, also ich muss mich als „nicht-mehr-durchseher“ outen, und würde mich ehrlich gesagt über einen weiteren beitrag diesbezüglich freuen…

    hab jetzt mal auf die stromrechnung geschaut, da stand was von 10,2% kernkraft… wie ist das denn nun? könnten wir den strombedarf ohne weiteres ohne kernkraft decken? womit? kohle? ist das gut? wollten wir dort nicht auch stark zurückfahren und eher weg als hin und sind dabei, mühselig alte tagebau (wie ist denn davon die mehrzahl?) zu rekultivieren und bricht da nicht ab und an noch was unterspültes ein? würden wir dann geg. „atomstrom“ aus dem ausland kaufen? das wäre ja ziemlich blöd oder? denn wenn wir hier runterfahren und unsere nachbarn dafür aufrüsten um damit ein geschäft zu machen, wäre das sicher nicht zielführend… und dann wäre noch die endlagerproblematik, wo ich auch nicht ganz durchsehe… wie wird eigentlich sichergestellt, dass in 500 jahren sich wer dran erinnert, das sich an geg. stelle ein zwischen- oder endlager befindet und dort nicht der bagger ansetzt um eine tiefgarage für ein einkaufzentrum zu buddeln…

    wie gesagt, ich fühle mich bei diesem thema wie ein abgeschnittener luftballon, denn aus allen richtung schwirren argumente und ich weiß nicht so recht, wohin ich mich stellen soll… wahrscheinlich bin ich die einzige, die da nicht mehr durchsieht, denn ihr scheint alle eine gefestigte meinung zu haben…

  3. Laut Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Energiemix) hatte die Kernenergie in Deutschland 2007 einen Anteil von 11% – die erneuerbaren hatten letztes Jahr laut dem selben Artikel einen Anteil von 16,5%.
    Wenn man bedenkt, dass das Potential der Erneuerbaren längst nicht ausgeschöpft ist (gerade Bayern plant im Moment riesige Investitionen und ist bis jetzt energietechinsches Brachland) und ebenfalls bedenkt, dass unser Leitungsnetz noch nicht den Anforderungen für dezentrale Energiegewinnung (also erneuerbare Energiequellen) gerecht ist, haben wir sicherlich das Potential auf Kernkraft zu verzichten, ohne langfristig auf fossile Energieträger angewiesen zu sein.
    Das Leitungsnetz spielt eine zentrale Rolle, weil nicht überall in Deutschland Energie gleich gut produziert oder gespeichert werden kann.

    Ein großes Problem ist, dass es eigentlich nicht im Sinne der großen Energieproduzenten sein kann, dass regenerative Energien ausgebaut werden: Im Moment haben die ein sehr bequemes Oligopol und viel Einfluss auf dem Markt. Wenn jeder mit ein paar zehntausend Euro selbst Kraftwerke baut, wird deren Einfluss immer geringer.

  4. Will nicht behaupten, dass ich komplett durchsehe, aber eben wegen der Endlagerproblematik und weil der Begriff ’sicheres Kernkraftwerk‘ wie man sieht ziemlich relativ ist, bin ich dafür, auf Kernenergie zu verzichten.
    Ich denke, dass der rot/grüne Ausstiegsplan ein vernünftiger Kompromiss war und finde die aktuelle leicht hysterische ’nix wie raus‘ Debatte etwas übertrieben.
    Ich habe den Verdacht, dass die Schwarz-Gelbe Laufzeitverlängerung nichts mit ‚vernünftiger Energiepolitik‘ sondern mit guter Lobbyarbeit (bzw. Parteispenden) zu tun hatte.
    Technisch sollte es möglich sein ohne auszukommen vielleicht sogar, ohne dass man dafür mehr CO2 ausstoßen muss. Allerdings muss man dann in Kauf nehmen, dass noch mehr Landschaft für Windräder, Hochspannungsleitungen und Pumpspeicherwerke verbraucht wird.
    Wie schlimm man das findet, muss jeder selbst wissen. Ich war schon mal baden in nem Pumpspeicherwerk (Niederwartha/Oberwartha) und behaupte mal, die Landschaft hat das ganz gut verkraftet.

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